Wir haben geplant, 5 Tage zu bleiben und mit unseren Freunden T&T, ortskundige Fremdenführer, die Umgebung zu erkunden. Umfangreiche Radtouren sind geplant.

Potsdam wurde erstmals 993 als „Poztupimi“ urkundlich erwähnt und entwickelte sich später zu einer bedeutenden Residenzstadt der brandenburgisch-preußischen Herrscher. Die Geschichte von Potsdam im 17. bis 20. Jahrhundert wurde maßgeblich von den preußischen Herrschern aus dem Haus Hohenzollern geprägt. Besonders wichtig sind folgende Persönlichkeiten:

Der Große Kurfürst –Friedrich Wilhelm (1620–1688)

Er legte den Grundstein für Potsdams Aufstieg:

  • Ausbau Potsdams nach dem Dreißigjährigen Krieg
  • Förderung von Einwanderung (z. B. durch das Edikt von Potsdam 1685)
  • Beginn der wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklung

Soldatenkönig – Friedrich Wilhelm I. (1688–1740)

Er machte Potsdam zur Militärstadt:

  • Ausbau zur Garnisonsstadt
  • Errichtung der Garnisonkirche
  • Förderung von Disziplin, Verwaltung und Militärwesen

Friedrich der Große – Friedrich II. von Preußen (1712–1786)

Er prägte Potsdam kulturell und architektonisch:

  • Bau von Schloss Sanssouci als Sommerresidenz
  • Förderung von Kunst, Philosophie und Aufklärung
  • Ausbau Potsdams zur Residenzstadt mit prachtvollen Bauten

Friedrich Wilhelm IV. – (1795–1861)

Er gestaltete das romantische Potsdam des 19. Jahrhunderts:

  • Ausbau der Parklandschaften (z. B. Babelsberg)
  • Förderung von Architektur im romantischen Stil
  • Enge Zusammenarbeit mit Künstlern und Architekten

Das Ende des Kaiserreichs und die Weimarer Zeit

  • Nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 verlor Potsdam seine Funktion als königliche Residenzstadt
  • Viele Schlösser wurden museal genutzt oder dienten staatlichen Zwecken

Zweiter Weltkrieg und die Potsdamer Konferenz

  • Potsdam wurde im Zweiter Weltkrieg teilweise zerstört
  • 1945 fand im Schloss Cecilienhof die Potsdamer Konferenz statt
  • Führende Politiker wie Harry S. Truman, Winston Churchill und Josef Stalin entschieden über die Nachkriegsordnung Europas

DDR-Zeit (1949–1990)

  • Potsdam wurde Teil der Deutsche Demokratische Republik
  • Starker Wiederaufbau im sozialistischen Stil (Plattenbauten, neue Stadtstrukturen)
  • Historische Gebäude wurden teilweise vernachlässigt oder abgerissen
  • Die Glienicker Brücke wurde zum Symbol des Kalten Krieges („Agentenbrücke“)

Wende und Neubeginn (ab 1989)

  • Friedliche Revolution und Ende der DDR
  • Beginn umfassender Restaurierungen der historischen Innenstadt
  • Rückkehr zur Bedeutung als Kultur- und Wissenschaftsstandort
  • 1990 wurde Potsdam zur Hauptstadt des Landes Brandenburg

Heute ist Potsdam vor allem für Sanssouci, seine historischen Schlösser und die Verbindung von Kultur, Politik und Wissenschaft bekannt.

Die erste Radtour führt uns in die Innenstadt von Potsdam mit umfangreicher Führung und Erklärung der Sehenswürdigkeiten der Innenstadt, Nikolaikirche, Brandenburger Landtag, Filmmuseum, um nur einige zu nennen und dann weiter über die Freundschaftsinsel durch die Berliner Vorstadt, mit dm Blick auf das Schloß Babelsberg, zur historisch bedeutsamen Glienicker Brücke (bekannt als sogenannte Agentenbrücke zum Austausch zwischen Ost und West). Von dort entlang des Jungfernsees zur Ermitrage, durch den Neuen Garten am Schloß Cecilienhof vorbei zur Meierei (Kaffepause). Weiter gehts an der Villa Jacob vorbei zum fantastisch restauriertem Schloß Belvedere. Hier haben T&T zu ihrer Potsdamer Zeit an den Vorbereitungsarbeiten zur Restaurierung mit gewirkt.

Weiter gehts durch die russische Kolonie Alexandrowka, durchs holländische Viertel zum Nauener Tor, dann zum sogenannten Brandenburger Tor in Potsdam und zurück zum Ausgangspunkt.

Russische Kolonie Alexandrowka (Potsdam)

Die Kolonie Alexandrowka in Potsdam entstand 1826–1827 auf Anordnung von König Friedrich Wilhelm III. als Denkmal für seinen verstorbenen Freund, den russischen Zaren Alexander I.  

Ausgangspunkt waren russische Soldaten, die 1812 als Kriegsgefangene nach Potsdam kamen. Aus ihnen wurde ein Chor gebildet, der am preußischen Hof sang. Nach dem Tod des Zaren ließ der König für die verbliebenen Sänger eine eigene Siedlung errichten.  

Die Kolonie besteht aus 12 Bauernhöfen und einem Aufseherhaus, gebaut im russischen Stil mit Holzhäusern und großen Gärten. Die Anlage wurde vom Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné entworfen und in Form eines Andreaskreuzes angelegt – ein Symbol Russlands.  

Die Bewohner erhielten Häuser, Land und sogar Nutztiere, durften ihre Grundstücke aber nicht verkaufen. Ziel war es, ihnen eine neue Heimat zu geben und gleichzeitig die preußisch-russische Freundschaft zu würdigen.  

Heute ist Alexandrowka ein UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als einzigartiges Beispiel eines künstlich angelegten „russischen Dorfes“ in Mitteleuropa.  

Holländisches Viertel (Potsdam)

Das Holländische Viertel in Potsdam wurde zwischen 1733 und 1742 unter König Friedrich Wilhelm I. („Soldatenkönig“) erbaut. Ziel war es, holländische Handwerker und Fachkräfte nach Potsdam zu holen, um die Stadt wirtschaftlich zu stärken.  

Die Siedlung umfasst 134 Backsteinhäuser in vier Karrees, entworfen vom niederländischen Baumeister Jan Bouman. Die Architektur mit roten Ziegeln, weißen Fugen und geschwungenen Giebeln orientiert sich bewusst am niederländischen Stil.  

Trotz großzügiger Privilegien zog jedoch nur ein Teil der gewünschten niederländischen Handwerker ein; bald lebten dort auch andere Bevölkerungsgruppen.  

Im 19. Jahrhundert wurde das Viertel eher ein einfaches Wohngebiet, später verfiel es teilweise. Erst nach 1990 wurde es umfassend saniert und zu einem beliebten Wohn- und Ausgehviertel entwickelt.  

Das Radwegenetz ist hier sehr gut ausgebaut und wir nutzen i.w. den Havelradweg oder die Radwege direkt entlang der vielen Seen.

Die zweite Radtour beginnt mit einem Begrüßungsdrink zum Hochzeitstag von T&T und der Besichtigung der Fischerkapelle in Ferch (Hochzeit und Silberhochzeit), dann durch Caputh zum dortigem Einsteinhaus und zum Schloß Sanssouci, dem ehemaligen Residenzschloß in Potsdam.

Schloss Sanssouci

Das Schloss Sanssouci wurde zwischen 1745 und 1747 unter Friedrich II. von Preußen als Sommerresidenz erbaut.
Der Name bedeutet „ohne Sorge“ und spiegelt die Idee eines privaten Rückzugsortes fern vom höfischen Prunk wider.
Das Gebäude ist ein Meisterwerk des Rokoko und liegt malerisch oberhalb terrassenförmig angelegter Weinberge im Park Sanssouci in Potsdam.
Es diente dem König vor allem für persönliche Aufenthalte, philosophische Gespräche und Musik.
Heute gehört Sanssouci zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

Die dritte Tour (55 km) führt uns wieder über den Havelradweg nach Potsdam entlang der Freundschaftsinsel, durch den Babelsberpark, über den Hirschberg zum Wannsee. Dann entlang dem Wannsee mit Kaffeepause in Moorlage zur Glienicker Brücke; dort treffen wir erneut T&T und fahren zum Schloß Belverdere zur Besichtigung mit herrlichem Blick über die Potsdamer Umgebung.

Blick vom Brandenburger Landtag (restauriertes ehemaliges Potsdamer Stadtschloß) auf die Nikolaikirche

Die Nikolaikirche am Alten Markt hat eine bewegte Bau- und Wiederaufbaugeschichte:

  • Eine erste Kirche brannte 1795 ab.  
  • Der heutige Bau entstand ab 1828 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im klassizistischen Stil und wurde 1850 geweiht.  
  • Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer zerstört: Kuppel, Innenraum und Portikus stürzten ein.  
  • Der Wiederaufbau erfolgte schrittweise in der DDR:
    • 1950er–60er Jahre Wiederherstellung von Kuppel und Fassade
    • 1981 erneute Weihe der Kirche  

Heute ist sie eines der wichtigsten Wahrzeichen Potsdams und prägt mit ihrer großen Kuppel das Stadtbild.

Gegenüber am Alten Markt tagt der Landtag Brandenburgs im vollständig wiederaufgebautem ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses (die Fassade wurde vollständig wieder aufgebaut, innen sehr modern)

  • Ursprünglich befand sich hier seit dem Mittelalter eine Burg, später das Residenzschloss der preußischen Könige (17.–18. Jh.).  
  • Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1960 in der DDR gesprengt.  
  • Nach 1990 entstand die Idee, die historische Mitte Potsdams wiederherzustellen.  
  • 2005 beschloss man, an dieser Stelle ein neues Parlamentsgebäude zu errichten – mit historischer Schlossfassade.  
  • Bauzeit: 2011–2013, seitdem Sitz des Landtags.  
  • Die äußere Gestaltung ist eine Rekonstruktion des barocken Stadtschlosses, während das Innere modern ist.  

Der Bau verbindet heute preußische Geschichte und moderne Demokratie – ein symbolischer Mittelpunkt der „neuen alten“ Potsdamer Mitte.

Nach oben scrollen