Wir verlassen Paatsalu am Nachmittag um die gebuchte Abendfähre zu bekommen. Wir sind schon 2 Stunden vor der gebuchten Zeit an der Fähre und können eine frühere Fähre nutzen. Nach ca. 30 Minunten Fährzeit sind bereits auf der Insel und weiteren 60 Minuten schon in Kuressaare auf unser Stellplatz angekommen, einem ruhigen Garten inmitten eines kleinen Wohngebietes am Rande der Stadt.
Kuressaare ist die Hauptstadt der Insel Saaremaa und war über Jahrhunderte unter dem deutschen Namen Arensburg bekannt. Die Stadtgeschichte ist eng mit der Burg verbunden, die als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Festungen im Baltikum gilt und den Ort überhaupt erst entstehen ließ.
Die Siedlung entwickelte sich im Umfeld der Bischofsburg; der Grundstein der Anlage wurde im 14. Jahrhundert gelegt. 1559 kam Kuressaare unter dänische Herrschaft, erhielt 1563 Stadtrechte, wurde 1645 schwedisch und fiel nach dem Nordischen Krieg 1721 an das Russische Kaiserreich. Im 19. Jahrhundert wurde der Ort zu einem beliebten Kur- und Badeort, was sein Stadtbild bis heute prägt.
Der Name Arensburg bezeichnet die historische deutschsprachige Bezeichnung von Kuressaare und ist eng mit der Burg und der deutsch-baltischen Geschichte verbunden. Die Burg selbst begann als Holzburg und wurde über Jahrhunderte zu einer Stein- und später Festungsanlage ausgebaut; sie ist heute das wichtigste historische Wahrzeichen der Stadt. Der Name wird oft mit dem Wort „Aar“ beziehungsweise Adler erklärt, der als symbolischer Schutzengel des Bistums galt.
Für Kuressaare ist die Burg nicht nur Denkmal, sondern auch identitätsstiftendes Zentrum der Stadtgeschichte und Tourismusmagnet. Neben der Festung prägen Rathaus, historische Bürgerhäuser und der Kurpark das Bild einer Stadt, die von mittelalterlicher Machtgeschichte und späterer Kurortkultur lebt. Gerade diese Verbindung aus Wehrgeschichte und Heilbad-Tradition macht Kuressaare kulturell so bedeutend.
Auch wenn der Deutsche Orden im Baltikum eine bedeuteten Rolle spiele, war die Arensburg keine typische Deutschordensburg, aber ihre Entstehung und frühe Geschichte sind eng mit der Ordenszeit im Baltikum verbunden. Der Deutsche Orden war ein Mitakteur der Region, während Arensburg selbst vor allem als Bischofsresidenz und Festung Bedeutung bekam.
Wichtigstes Ereignis des Tages, das Abendspiel der deutschen Nationalmanschaft gegen die Elfenbeinküste, mit dem glücklichem Ergebnis von 2:1 in der Nachspielezeit.
Vor dem Spiel unternehmen wir noch eine kurze Fahrradtour durch den Ort, um erste Eindrücke zu gewinnen. Es sieht sehr vielversprechend aus. Plane schon mal eine längere Tour mit Burg, Windmühle und Einkehrmöglichkeiten für den Folgetag.
Wir planen hier 4 Tage zu bleiben, um die Mittsommernachtsfeierlichkeiten, die auf der Insel besonders intensiv sein sollen, zu erleben.
Ein Blick auf die gut restaurierte Arensburg mit ihrem Burggraben und Burgwall sowie ein Blick ins Innere mit dem Gewölbe im Essenssaal, dem Skelett eines eingemauerten Inquisitors, der anstatt dem katholischen Bischof im Kampf gegen die protestantischen Vasallen zu helfen sich in eine blonde „Maid“ verliebte. Daraufhin wurde die „Maid“ in ein Kloster verbannt und er in ein Burgverlies eingemauert.
Der Marktplatz von Kuressaare
Die Feierlichkeiten zur Mittsommernacht waren jedoch deutlich anders als wir es uns vorgestellt haben. Sie fanden auf einem freien Platz zwischen Burg und Badestrand statt und erinnern uns mehr an einen Rummelplatz mit kleinem Feuer, aber viel Musik (4 Bands am Abend), Fahrgeschäften und Essenständen. Traditionelle Trachten und Tänze waren nur vereinzelt zu sehen. Außerdem wurde ein Eintritt von 25 Euro verlangt, so dass wir uns die Szenerie nur kurz von außen betrachtet haben. Auf dem Marktplatz bzw. in der ganzen Stadt waren keine Feierlichkeiten zu erkennen.
Am letzten Tag des Aufenthalts auf Saaremaa unternehmen wir eine Inselrundfahrt und besuchen den Windmühle-Park in Angla mit einem Bauernmuseum sowie die Steilküste in Panga auf der gegenüberliegenden Inselseite, etwa 40 km entfernt.
Entlang der Steilküste nutzen wir auch den military hiking trail zu einer kleinen Wanderung, der ehemals von der sowjetische Armee angelegt wurden, als sie im 2. Weltkrieg die baltischen Staaten annektiert haben. Dort sollen angeblich bis zu 100 000 Soldaten die Seeseite gesichert haben.
Wir verlassen Pärnu und erreichen bei herrlichen Sonnenschein nach ca 1 Std. Paatsalu, ist ein kleines, abgelegenes Dorf im Westen Estlands. Es liegt im Kreis Pärnu, in der Gemeinde Lääneranna, direkt an der Küste des Rigaischen Meerbusens und hat nur etwa 60–70 Einwohner.
Paatsalu ist kein klassischer Urlaubsort, sondern ein kleines, naturbelassenes Küstendorf, das vor allem durch Ruhe, Weite und ursprüngliche Landschaft besticht. Wir stehen direkt an einem kleinen Hafen mit einem Ferienhaus im Hintergrund, dass uns alle Sanitäranlagen bietet.
Wir verlassen den Campingplatz in Saulkrasti, weil er sehr schlechte Sanitäranlagen bietet und auch der Strand nicht gepflegt wird. Wir fahren ca. 130 km weiter nördlich nach Pärnu und erreichen erstmals Estland.
Estland ist das kleinste der drei baltischen Staaten und hat mit ca 1,3 Mio. Einwohner auch die geringste Einwohnerzahl. Auch die Sprache setzt sich deutlich von den anderen baltischen Staaten ab: Während die estländische Sprache zum finno-ugurischen Sprachraum gehört, zählen die lettische Sprache zur balto-slawsichen und die litauische Sprache zur Indo-europäischen Sprachfamilie.
In Pärnu mieten wir uns für 3 Tage auf einem kleinen Campingplatz zwischen Ostsee und dem Fluß Pärnu ein, der viel von finnischen Gästen besucht wird. Pärnu selbst ist eine Küstenstadt im Südwesten Estlands an der Rigaer Bucht mit etwa 50.000 Einwohner und wird auch „Sommerhauptstadt Estlands“ genannt. Es ist der wichtigste Bade- und Kurort des Landes und mit seinen langen Sandstränden (ca. 3 km), bekannt für Spa‘s, Moorbäder und Erholung seit dem 19. Jh. …und wie schon viele Orte auf unserer Reise, Pärnu war Mitglied der Hanse, wurde zeitweise vom Deutschen Orden beherrscht und hatte auch wechselnde Zugehörigkeiten, mal Schweden, mal Polen, mal Russland.
Hier eine kleine Elefantenfamilie in grünem Samt; aber überall im Stadtbild tauchen Elefanten auf, mal größer und mal kleiner oder komplette Elefantenfamilien.
Dazu gibt es eine passende „Legende“, das Pärnu schon seit Jahrhunderten ein Ort für Erholung ist – mit Meer, Bädern und Kuren. Mitte des 20. Jahrhunderts sollen plötzlich mysteriöse Elefanten in Pärnu aufgetaucht sein. Sie hätten im Meer gebadet und im Sand „Schlamm“ erzeugt, der später sogar für Heilanwendungen genutzt wurde. Schließlich „entschied“ sich ein Elefant, am Strand zu bleiben – quasi als Teil der Stadt. Später kam noch eine ganze Elefantenfamilie dazu.
Tatsächlich sind die Elefanten kein Zufall, sondern wohl Teil einer kreativen Stadtgeschichte – irgendwo zwischen Legende, Humor und moderner Kunstaktion.
Screenshot
Auch hier in Pärnu sieht man noch viele Holzhäuser in der traditionellen Bauweise, mal schlicht, mal reich verziert und mal mehrgeschossig. Die Gründe sind klima- und rohstoffbedingt:
Große Wälder → Holz war jahrhundertelang der wichtigste Baustoff
Typisch sind Blockhäuser (Blockbauweise) aus übereinandergelegten Stämmen
Oft kunstvoll verziert (besonders in Lettland)
Holz reguliert Feuchtigkeit gut – ideal für das wechselhafte Klima
Heute ist der 16.06. Um einige Reparaturen am Camper durchführen zu lassen, war ich heute mehrere Stunden in der Werkstatt. Es wurden die Wasserpumpe für die Wasserversorgung sowie die Zusatzbatterien ausgetauscht. … eine sehr teure Angelegenheit!
Wir verlassen Riga Richtung Osten und fahren nach Saulkrasti an die Ostseeküste, um ein paar Tage zu entspannen. Leider gibt es hier keine guten Campingplätze; auch dieser ist sehr dürftig ausgestattet. Da er jedoch direkt am Strand liegt, bleiben wir und nehmen die dürftigen Sanitäranlagen in Kauf.
Zum Abschluss des Aufenthaltes in Lettland noch eine paar Fakten über das Land. Lettland ist mit ca. 1,9 Mio. das zweitkleinste Land des Baltikums und seit 1991 unabhängig von der Sowjetunion. Historisch betrachtet war es ein wichtiges Handelszentrum der Hanse, hat eine multikulturelle Bevölkerung mit starkem russischen Anteil und ist auch heute noch ein bedeutender Hafen- und Logistikstandort für das Baltikum.
Von Kuldiga fahren wir nach Riga und erreichen nach ca. 1,5 Stunden den Campingplatz Riverside am Ende einer Landzunge Im Fluß Düna, sehr nahe an der Altstadt.
Riga ist die Hauptstadt Lettlands und das politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Mitglied der Hanse und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz im Ostseeraum. Heute gilt Riga als größte Metropole des Baltikums und als wichtiges Verkehrsdrehkreuz zwischen Ost und West. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre gut erhaltene Altstadt und ihre beeindruckende Jugendstil-Architektur. Riga spielt zudem eine zentrale Rolle für die nationale Identität und Geschichte Lettlands.
Wir nehmen ein Taxi in die Altstadt. Da keine deutschsprachige Führung verfügbar ist, besuchen wir nach und nach die wichtigsten Sehenswürdigkeiten:
1. Altstadt
Die historische Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe. Enge Gassen, mittelalterliche Häuser und lebendige Plätze machen sie zum Herz der Stadt.
Die Altstadt weist nicht nur sehr viele Straßencafé und Restaurants auf, die m.E. die Szenerie der Altststadt beeinträchtigen, sondern hat auch, teilweise versteckt, sehr schöne urige Café zu bieten.
Hier ist das Motiv „Lilienthal mit Flugapparat“ an einer Wand auf dem Domplatz abgebildet mit einem Spruch; der übersetzt heißt: Wer sagt „Das geht nicht“, der sollte damit nicht jemand stören, der gerade dabei ist etwas zu tun.
(Siemens, in Lettland seit 1853)
2. Dom zu Riga
Der Dom zu Riga ist das größte und bedeutendste Kirchengebäude der lettischen Hauptstadt und wurde im Jahr 1211 gegründet. Er vereint mehrere Baustile – von der Romanik über die Gotik bis zum Barock – was seine lange Baugeschichte widerspiegelt. Besonders bekannt ist der Dom für seine beeindruckende Orgel, die zu den größten Europas zählt. Heute ist er ein wichtiges Wahrzeichen Rigas sowie ein Ort für Gottesdienste und Konzerte.
Die Orgel im Dom zu Riga gehört zu den größten und bedeutendsten historischen Orgeln Europas. Sie wurde 1883/84 von der deutschen Firma Walcker gebaut und galt damals sogar als eine der modernsten Orgeln der Welt.
Mit über 6.700 Pfeifen, 124 Registern und vier Manualen ist sie ein gewaltiges Instrument; die größten Pfeifen sind etwa 10 Meter lang. Dadurch besitzt die Orgel eine enorme Klangvielfalt – von sehr leisen, fast flüsternden Tönen bis hin zu einem Klang, der ein ganzes Orchester nachahmen kann.
Ihre Bedeutung liegt nicht nur in der Größe, sondern auch in ihrer musikalischen Qualität: Sie gilt als Meisterwerk der spätromantischen Orgelbaukunst und ist bis heute das Herzstück des Doms. Regelmäßige Konzerte machen sie zu einer der wichtigsten musikalischen Attraktionen Rigas.
3. Schwarzhäupterhaus
Das Schwarzhäupterhaus wurde im 14. Jahrhundert als Versammlungs- und Festhaus der Compagnie der Schwarzhäupter, einer Vereinigung junger, unverheirateter Kaufleute in Riga. Diese Bruderschaft wählte im 15. Jahrhundert den heiligen Mauritius als Schutzpatron. Mauritius wurde traditionell als dunkelhäutiger („schwarzer“) Heiliger dargestellt. Sein Symbol – der sogenannte Mohrenkopf – erschien im Wappen der Bruderschaft.
Diese Vereinigung bestand aus unverheirateten Kaufleuten, die vor allem im Fernhandel tätig waren und eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach erweitert und prunkvoll im Stil der Renaissance und des Barock umgestaltet. Es entwickelte sich zu einem repräsentativen Ort für Empfänge, Feste und bedeutende gesellschaftliche Ereignisse.
Links das Haus des Weinhändlers Schwabe und rechts das SchwarzhäupterhausWiegevorrichtungen der damaligen Zeit
… eine interessante Waage (1 pot = 8,4 kg) …das Emblem der Schwarzhäupter
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schwarzhäupterhaus 1941 bei Luftangriffen schwer beschädigt und später vollständig zerstört. In der Zeit der Sowjetunion blieb der Platz lange leer. Erst nach der Unabhängigkeit Lettlands wurde das Gebäude originalgetreu rekonstruiert und 1999 wiedereröffnet. Heute zählt es zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rigas und symbolisiert den historischen Reichtum und die Handelsgeschichte der Stadt.
Der Saal Lübeck im Schwarzhäupterhaus hat eine besondere Bedeutung, da die beiden Hansestädte Lübeck und Riga schon im 12. und 13. Jh. Verträge über den Handel und den Austausch von Waren aus aller Welt schlossen. Lübeck galt zu der Zeit als die Hauptstadt der Hanse und viele Lübecker Kaufleute siedelten sich in Riga an und umgekehrt.
Der große Versammlungs- und Festsaal mit prächtigem Deckenfresko sowie zahlreichen Wandgemälden von gekrönten Häuptern und Persönlichkeiten. Auch Richard Wagner hat hier schon einige Jahre seine Konzerte gegeben.
4. Der Konventhof
Der Konventhof befindet sich im ältesten Teil der Stadt, dort wo ursprünglich die Burg des Schwertbrüderordens stand, die allerdings im 13. Jh erbaut und noch im gleichen Jh. zerstört wurde. Im 14. Jh. ließ sich dann an diesem Platz der Konvent des heiligen Geiste nieder. Heut findet man dort nett renovierte Häuser, wenig spektakulär, mit dem Porzelannmuseum und neben an Museum für dekorative Kunst und Desgin.
5. Drei Brüder
Das Besondere am Haus der „Drei Brüder“ in Riga ist nicht ein einzelnes Gebäude – sondern ein ganzes Ensemble aus drei mittelalterlichen Häusern, das einzigartig für die Stadt ist. Die drei Häuser stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Das Haus Nr. 17 ist sogar das älteste erhaltene Steinhaus der Stadt. …und die drei Häuser weisen 3 Baustile auf bzw. stammen jeweils aus einer andere Epoche:
Gotik / frühe Renaissance (ca. 1490)
Niederländischer Manierismus (17. Jh.)
Barock (spätes 17. Jh.)
Darüber hinaus zeigt es die typische enge Bauweise für Hansestädte. Der Name „Drei Brüder“ kommt wahrscheinlich von einer Legende, dass drei Männer einer Familie die Häuser gebaut haben.
In der Nähe „Der drei Brüder“ entdecken wir „TheMost Romantic Cafe“ und legen in diesem verwinkeltem und urigem Cafe eine Pause ein. Eine absolute Empfehlung für den Stadtbummler.
6. Die Synagoge
Riga hatte einst eine große und bedeutende jüdische Gemeinde und die Peitav-Synagoge ist die einzige erhaltene Synagoge der Stadt, gebaut 1903–1905 im Jugendstil mit altägyptischen Elementen und Heute ein wichtiges Kulturdenkmal und religiöses Zentrum. Sie liegt etwas abseits in der Altstadt und obwohl sie abseits liegt, unterliegt sie auch hier der polizeilichen Beobachtung.
7. Freiheitsdenkmal
Auf dem Weg von der Neustadt mit seinem Jugendstilviertel in die Altstadt passieren wir auf einem zentralen Platz das Freiheitsdenkmal an dem gerade ein Wachswechsel stattfand. Es steht zentral zwischen Altstadt und Neustadt und verkörpert den Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit, wurde 1931- 1935 erbaut und erinnert an die Gefallenen des lettischen Unabhängigkeitskrieges (1918–1920) und steht für:
Einheit Lettlands
nationale Souveränität
Freiheitswillen des Volkes
8. Jugendstilviertel
Riga ist weltberühmt für seine Jugendstilarchitektur, besonders entlang der Alberta iela.
Jugendstil in Riga
Die lettische Hauptstadt Riga gilt als eine der bedeutendsten Jugendstil-Metropolen Europas. Rund ein Drittel aller Gebäude im Stadtzentrum stammen aus dieser Epoche (ca. 1890–1914). Besonders eindrucksvoll sind die Straßenzüge rund um die Alberta iela und Elizabetes iela. Hier nur einige Beispiele aus eigner Anschauung.
Ein besonders prägender Architekt war Michail Eisenstein, dessen Gebäude für ihre spektakulären und oft überladen wirkenden Fassaden bekannt sind. Heute gehört das historische Zentrum von Riga zum UNESCO-Weltkulturerbe – auch wegen dieser einzigartigen Jugendstil-Architektur; typische Merkmale sind:
Reiche Fassadendekorationen mit Masken, Figuren und mythologischen Motiven
Florale Ornamente und geschwungene Linien („organische Formen“)
Symbolik und Fantasiefiguren, oft mit expressiver Wirkung
Aufwendig gestaltete Treppenhäuser und Innenräume
Aufwendig dekoriertes Treppenhaus im Museum des Jugendstils in der Allberta – Straße und ein Foto aus dem Jugendstil – Shop.
Nach all den tollen Fasseden und dekorativen Einrichtungen stellte sich die Frage, woher stammt der Begriff Jugendstil. Laut Recherche stammt er aus Deutschland und geht auf die Münchner Kunstzeitschrift „Die Jugend“ zurück, die ab 1896 erschien. Diese Zeitschrift prägte den neuen Kunststil maßgeblich – daher der Name. International wird derselbe Stil unterschiedlich bezeichnet:
Art Nouveau (Frankreich, Belgien)
Sezessionsstil (Österreich, z. B. Gustav Klimt)
Modern Style (England)
Der Jugendstil wollte sich bewusst von historischen Stilkopien lösen und etwas völlig Neues schaffen:
Verbindung von Kunst und Handwerk
Gestaltung des gesamten Lebensumfelds (Architektur, Möbel, Grafik)
Orientierung an der Natur als Vorbild
9. Zentralmarkt Riga
Der Zentralmarkt Riga ist einer der größten Märkte Europas und befindet sich in den ehemaligen Zeppelin-Hallen am Pilsetas Kanal. Hier treffen wir kurz vor Ladenschluss ein und haben noch einen Blick ins Halleninnere. Es ist keine beeindruckende Markthalle wie wir sie schon in Valencia gesehen haben, sondern schlicht und funktional. Auf der ersten Ebene sind Lebensmittel und Obst und auf der zweiten Ebene Kleidung zu haben. Wir kaufen ein wenig Obst und beenden den ersten Besichtigungstag und fahren mit einem Taxi von Bolt zum Campingplatz zurück.
10. Rigaer Schloss
Die Bilder zeigen zwei Seiten des Schlosses von Riga; links die dem Fluß zugewandte Seite im renoviertem Gewand mit Turm und rechts die modern gestaltete, dem Park zugewandte Seite mit Sitz des Präsidenten Lettlands.
Wir haben entschieden, auf dem Weg nach Riga, einen kurzen Umweg über Kuldiga zu nehmen, um den breitesten Wasserfall Europas zu sehen. Kurz nach dem Start fängt es an dauerhaft zu regnen, selbst als wir in Kuldiga ankommen. Nach einem kurzen Spaziergang durch den kleinen Ort, die den Eindruck einer Filmkulisse für einen Film aus dem 19 Jh. macht, einem Blick auf den Wasserfall von einen großen Brücke über den Fluß aus, besuchen wir eine Gaststätte zum Mittagessen. Da das Wetter zu keinen weiteren Aktivitäten einlädt, verlassen wir den kleinen Ort nach 2 Stunden und fahren weiter nach Riga.
Der Ventas Rumba ist mit etwa 200–260 m Breite der breiteste Wasserfall Europas, jedoch nicht besonders spektakulär, insbesondere nicht bei Regen, außer das er inmitten der Stadt liegt.
Eine Altstadt wie aus der Zeit gefallen
Die Altstadt ist extrem gut erhalten, Gebäude aus dem 16.–18. Jahrhundert, die ursprüngliche Stadtstruktur kaum verändert und wirkt wie eine „lebendige Filmkulisse“. Aber wir finden auch schöne Ecken, einen Skulpturenpark und schöne Wanderwege am Fluß entlang.
Nach einem etwa 2-stündigen Spaziergang durch Kleipedia fahren wir Richtung Liepāja. Die Straßenverhältnisse sind sehr gut, wenig Verkehr und nach gut einer Stunde erreichen wir Liepaja. Wir haben uns einen privaten Campingplatz am Stadtrand im Garten eines Einfamilienhauses ausgesucht und sind die einzigen Gäste. Wir werden freundlich empfangen und zahlen nur 20 Euro die Nacht, alles inkl.
Liepāja ist eine Stadt im Westen von Lettland an der Ostsee, die drittgrößte Stadt des Landes (nach Riga und Daugavpils), mit ca. 70.000 Einwohner, bekannt für den wohl schönsten Sandstrand im Baltikum und mit wichtigem eisfreiem Hafen. Darüber hinaus gilt sie als „Stadt der Musik“ als Heimat vieler lettischer Künstler und als Veranstaltungsort großer Festivals und Konzerte.
Auf einer Fahrradtour erkundigen wir einige der Sehenswürdigkeiten:
Strand von Liepāja
Feiner, heller Sandstrand – einer der schönsten im Baltikum
Ideal für lange Spaziergänge und Sonnenuntergänge
Sehr sauber und weitläufig
Konzerthalle „Großer Bernstein“
Architektonisches Wahrzeichen
Zentrum für Musik und Kultur
Spitzname: „Stadt der Musik“
Dreifaltigkeitskathedrale
Riesige historische Orgel
Aussichtsturm mit tollem Blick
Bedeutendes religiöses Bauwerk
Rosenplatz
Zentraler Treffpunkt
Viele Rosenbeete im Sommer
Ausgangspunkt für Stadtrundgänge
Promenade & Hafen
Schöne Uferpromenade entlang des Hafens
Historische Kräne und maritime Atmosphäre
Beliebt für Spaziergänge
St.-Nikolaus-Marinekathedrale
Beeindruckende orthodoxe Kirche
Errichtet für die russische Marine
Auffällige goldene Kuppeln
Seaside Park
Großer Park direkt hinter den Dünen
Ideal zum Radfahren und Entspannen
Viele Skulpturen und Spazierwege
Walk of Fame der lettischen Musiker
Ehrung berühmter lettischer Musiker
Einzigartig im Baltikum
Unterstreicht Liepājas Musiktradition
Historisches Stadtzentrum (Holzarchitektur)
Mischung aus Jugendstil und Holzhäusern
Charmante, ruhige Altstadt
Perfekt zum Entdecken abseits der Touristenmassen
Zusammenfassend läßt sich festhalten, dass die Stadt noch stark im Umbruch ist. Viele Teile der Stadt sind schon modernisiert mit toller Infrastruktur, guten Fahrradwegen, insbesondere die Seeseite mit dem wundervollem Park. Die Innenstadt hat aber noch viele Kopfsteinpflasterstraßen und insbesondere in der Altstadt noch viele alte Holzhäuser, die unbewohnt erscheinen. Überall werden wir freundlich empfangen. Weiterhin auffällig ist die junge Altersstruktur und die vielen Kinder im Straßenbild.
Nachdem wir die Kurische Nehrung verlassen haben, legen wir einen Zwischenstopp in Stadt Klaipėda ein, die ehemals Memel hieß. Klaipėda ist die drittgrößte Stadt Litauens mit rund 180.000 Einwohnern, wo das Kurische Haff in die Ostsee übergeht.
Klaipėda besitzt den wichtigsten Seehafen Litauens und den nördlichsten eisfreien Hafen der Ostsee. Der Hafen ist eine wichtige Verbindung zwischen Ost und West. 1252 gegründet durch den Deutschen Orden (Memelburg), war jahrhundertelang Teil von Preußen/Deutschland ,1923 Anschluss an Litauen, 1939–1945 wieder deutsch, danach sowjetisch und seit 1990 Teil des unabhängigen Litauens.
Wir unternehmen einen Rundgang durch die Altstadt, mit seinem regelmäßigem Straßennetz (mir nur aus den USA bekannt) und sehen uns einige Sehenswürdigkeiten der Stadt an:
Theaterplatz mit Simon-Dach-Brunnen („Ännchen von Tharau“)
„Ännchen von Tharau“ ist ein berühmtes deutsches Liebeslied aus dem 17. Jahrhundert – und zugleich ein Stück ostpreußischer Kulturgeschichte. Das Lied wurde 1636 vom Dichter Simon Dach geschrieben. Anlass war die Hochzeit von Anna Neander, der Tochter eines Pfarrers aus dem Ort Tharau, die der Dichter liebte, die jedoch einen Anderen heiratete.
Segelschiff Meridianas
Reste der Memelburg
…restorierter Turm der MemelburgDer Theaterplatz mit der Statur: Das Ännchen von Tharau.Das WundermäuschenDas Zaubertor
Kleipeda ist voller litauischer Legenden, die sich in verschiedenen Skulpturen der Stadt widerspiegeln. Die kleinste, aber wohl beliebteste ist das nur 17 cm große Wundermäuschen. Sie trägt die Inschrift: Aus Gedanken werden Worte – Worte werden zu Wundern. Es heißt, das Mäuschen würde alle Wünsche erfüllen, die man ihr leise ins Ohr flüstert.
Danach verlassen wir Litauen und haben ein Land mit freundlichen Menschen erlebt, jung und unkompliziert. Ein modernes Land mit sehr guter Infrastruktur, allen Einkaufsmöglichkeiten und guten Gastgebern; perfektes Urlaubsziel.
Wir verlassen Kaunas und fahren an die Ostseeküste Litauens, nach Kleipeda. Dort nehmen wir die Fähre, nur ca. 10 Minuten Fahrt und sind schon auf der Kurischen Nehrung, unserem Ziel. Nach Verlassen der Fähre dauert die Fahrt zum Campingplatz in Nidda noch ca. 1 Stunde, für 45 km, weil die Straße in einem schlechten Zustand ist. Zudem recht teuer; die Fähre kostet 43 Euro, hinzu kommen 20 Euro Straßennutzungsgebühr, wohl für einen ca. 15 km erneuten Straßenabschnitt. Der Campingplatz liegt am Ende des litauischen Teils der Nehrung, 300 m vor der russischen Grenze.
Die Kurische Nehrung ist eine der faszinierendsten und fragilsten Naturlandschaften Europas. Dieser schmale, 98 Kilometer lange Landstreifen trennt das Kurische Haff von der offenen Ostsee und erstreckt sich von der samländischen Halbinsel in Russland (Kaliningrader Gebiet) im Süden bis zur litauischen Hafenstadt Klaipėda im Norden. Seit dem Jahr 2000 gehört die Kurische Nehrung zum UNESCO-Weltkulturerbe – als herausragendes Beispiel für eine vom Menschen gestaltete, aber ständig bedrohte Kulturlandschaft.
Geografie und die Dynamik des Sandes
Die Breite der Nehrung variiert extrem: An der schmalsten Stelle bei Sarkau (Lesnoi) misst sie gerade einmal knapp 400 Meter, während sie bei Nidden (Nida) auf fast vier Kilometer anwächst. Das prägendste Merkmal der Nehrung sind ihre gigantischen Wanderdünen, die oft als „Ostpreußische Sahara“ bezeichnet werden. Die Tote Düne (Parnidis-Düne) bei Nida ist mit über 50 Metern eine der höchsten Dünen Europas. Das Zusammenspiel von starkem Westwind, feinem Sand und Meeresströmungen sorgt dafür, dass sich die Landschaft in einem ständigen Zustand des Wandels befindet.
Die historische Tragödie der „Wandernden Dünen“
Die Geschichte der Kurischen Nehrung ist eine eindringliche Warnung vor den Folgen menschlicher Raubbau-Wirtschaft:
Die Entwaldung: Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die schützenden Wälder der Nehrung für den Schiffbau und durch Überweidung fast vollständig abgeholzt.
Die Katastrophe: Ohne die Wurzeln der Bäume verlor der Sand seinen Halt. Der Wind trieb die Dünen unaufhaltsam nach Osten. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert wurden insgesamt 14 Dörfer komplett von den Sandmassen begraben. Die Bewohner mussten ihre Heimat immer wieder aufgeben und weiterziehen.
Die Rettung: Erst im späten 18. Jahrhundert begann unter der Leitung von Pionieren wie Franz Epha eine systematische Wiederaufforstung. Durch das Anlegen eines künstlichen Vordünenwalls und das Pflanzen von extrem widerstandsfähigen Bergkiefern konnte der Sand schließlich im späten 19. Jahrhundert weitgehend privatisiert und stabilisiert werden.
Kultur und Mythos: Das Land der Kuren
Die Nehrung war jahrhundertelang von den Kuren besiedelt, einem baltischen Stamm, der hauptsächlich vom Fischfang lebte. Ihre Kultur war tief geprägt von der Isolation zwischen Haff und Meer. Ein markantes Kulturgut sind die Kurenkähne mit ihren typischen, farbenfroh geschnitzten Kurenkahnwimpeln an den Mastspitzen. Diese dienten ursprünglich der Fischereiaufsicht zur Erkennung der Boote, entwickelten sich aber zu kunstvollen Symbolen für Familie, Heimat und Glauben. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten Künstler die magische Lichtstimmung der Nehrung. In Nidden entstand eine berühmte Künstlerkolonie, die Maler des Expressionismus wie Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff anzog. Auch der Nobelpreisträger Thomas Mann verfiel dem Charme der Landschaft und ließ sich hier ein Sommerhaus errichten, in dem er Teile seiner Roman-Trilogie Joseph und seine Brüder schrieb.
Die Nehrung heute: Ein geteiltes Paradies
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Demografie der Nehrung radikal; die deutsche und kurische Bevölkerung wurde vertrieben. Heute ist die Halbinsel politisch zweigeteilt:
Der nördliche Teil (ca. 52 km) gehört zu Litauen und ist über das Urlaubszentrum Neringa touristisch hervorragend und nachhaltig erschlossen.
Der südliche Teil (ca. 46 km) gehört als russische Exklave zur Oblast Kaliningrad. Beide Seiten stehen heute unter strengem Naturschutz (Nationalparks). Neben den Dünen ist die Nehrung vor allem für die Vogelwarte Rossitten (heute Rybatschi) bekannt. Sie wurde 1901 als weltweit erste ornithologische Station gegründet, da die Kurische Nehrung eine der wichtigsten Reiserouten für europäische Zugvögel ist.
Am ersten Tag unternehmen wir sowohl eine Radtour über sehr gute ausgebaute Radwege, besichtigen das Sommerhaus von Thomas Mann, fahren zu einer 8 km entfernte Aussichtsplattform mit Blick über die gesamte Insel und genießen am Abend den Sonnenuntergang am Meer.
Das Sommerhaus von Th. MannDas Sommerfhaus mit dem typischen GiebelkreuzEthnologischer Friedhoff mit typischen GrabkreuzenBlick von der Terrasse am Thomas Mann – Haus auf das Haff…ein typische Holzhaus auf der Nehrung
Weiter geht es nach Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens. Die Fahrt dauert ca. eine Stunden und wir finden einen Platz am See (Lake Camping Kaunas).
Kaunas liegt strategisch am Zusammenfluss von Memel und Neris. Historisch spielte die Stadt eine Schlüsselrolle als Handels- und Verteidigungszentrum, besonders im Mittelalter. Von großer Bedeutung ist Kaunas als provisorische Hauptstadt Litauens zwischen 1919 und 1940, als Vilnius unter polnischer Kontrolle stand. In dieser Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem kulturellen und politischen Zentrum, was sich bis heute in ihrer einzigartigen modernistischen Architektur widerspiegelt.
Heute gilt Kaunas als wichtiger Wirtschafts-, Universitäts- und Kulturstandort. Die Stadt wurde 2022 zur Europäischen Kulturhauptstadt ernannt und steht sinnbildlich für die moderne Identität Litauens zwischen Tradition und Innovation.
Wir fahren, nach schon bewährter Praxis mit einem Uber – Taxi, in die Innenstadt, um sie zu besichtigen, beginnend in der Altstadt, mit Rathaus und Burg.
1. Burg von Kaunas
Die Burg von Kaunas stammt aus dem 14. Jahrhundert und liegt am Zusammenfluss von Memel und Neris. Sie war eine wichtige Verteidigungsanlage gegen den Deutschen Orden. Heute ist sie ein Wahrzeichen der Stadt.
2. Altstadt von Kaunas
Die Altstadt von Kaunas begeistert mit Kopfsteinpflaster, gotischen Kirchen und gemütlichen Plätzen. Besonders erwähnenswert sind die vielen Gotischen Fronten (s. Bild, ein Jesuiten – Gymnasium) und die vielen streetart-Kunstwerke in der Altstadt.
Der weise alte Mann
3. Rathaus von Kaunas
Das Rathaus von Kaunas wird wegen seiner eleganten Form „Weißer Schwan“ genannt. Es stammt aus dem 16. Jahrhundert und diente früher als Verwaltungsgebäude und Gericht.
4. Die längste Fußgängerzone
Sehr beeindruckend ist die Alt- und Neustadt verbindende Fußgängerzone, auch genannt Freiheitsallee. Sie ist boulevardartig ausgebaut und ist mit 1621 Metern die längste in Osteuropa. Gesäumt von vielen modern Geschäften und Cafe‘s lädt sie zum Verweilen ein.
5. Stadt der Museen
Die Stadt weist eine große Anzahl kleiner und großer Museen auf; wir besuchen aber nur das Teufelsmuseum.
Zusammenfassend hat uns die Stadt jedoch nicht begeistert wie Vilnius: deutlich ältere Infrastruktur, viele nicht renovierte Häuser und historische Gebäude. Die Stadt hinterlässt nicht den Eindruck einer quirligen lebendigen Stadt.