Autorenname: Grote

Helsinki

Der letzte Abschnitt unserer Reise beginnt. Es ist der 1. Juli und wir verlassen Tallinn, Estland und das Baltikum mit der Fähre nach Helsinki um 10:30 Uhr. Die Fahrt zum Fährhafen verläuft problemlos und nach 2 Stunden Fährzeit sind wir In Finnland angekommen. Der gebuchte Campingplatz, Rastila Camping, liegt ca. 14 km außerhalb der Innenstadt auf einer Halbinsel, direkt am Meer. Durch einen Metro – Bahnhof in der Nähe, ist der Platz sehr gut angebunden. Nach dem Einchecken unternehme ich als eine Fahrradtour um die kleine Halbinsel. Hervorragende Rad- und Wanderwege, überall kleine Yachthäfen und kleine Badestände zeigen, dass wir hier einen idyllischen Ort gefunden haben.

Am nächsten Morgen beginnen wir die Erkundung Helsinki; wir buchen eine Dreitageskarte für alle öffentlichen Vekehrmittel und starten in das letzte Reiseabenteuer.

Helsinki ist die Hauptstadt von Finnland und liegt malerisch an der Küste des Finnischen Meerbusens. Die Stadt wurde 1550 gegründet, entwickelte sich aber erst im 19. Jahrhundert unter russischer Herrschaft zur bedeutenden Metropole. Seit der Unabhängigkeit Finnlands im Jahr 1917 ist Helsinki das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes.

Typisch für Helsinki ist die Mischung aus nordischer Natur und moderner Urbanität: Wälder, Parks und über 300 Inseln prägen das Stadtbild ebenso wie klare Architektur, Design und ein hohes Maß an Lebensqualität. Die Stadt gilt als eine der lebenswertesten Europas und ist bekannt für ihre innovative Kulturszene, ihre Saunakultur und ihre Nähe zum Meer.

Wir beginnen mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Dom, der über dem Senatsplatz thront. Der weiße klassizistische Bau ist eines der meistfotografierten Motive Helsinkis.

Der Senatsplatz, vom Dom aus betrachtet, links und rechts ebenso prachtvolle Gebäude; links der Sitz des Ministerpräsidenten, rechts die Nationalbibiliothek.

Den zweiten Tag beginnen wir mit dem Besuch des Kiasma – Museums, ein Museum für moderne Kunst und interaktiven Ausstellungen. Auch hier stell ich mir bei vielen Ausstellungsstücken, wie so häufig in modernen Musen, die Frage, „ist das Kunst oder kann das weg“

Das Kiasma liegt mitten im modernen, repräsentativen Zentrum von Helsinki – direkt an der breiten Hauptstraße Mannerheimintie. Die Umgebung wirkt offen und lebendig und architektonisch spannend. Gleich gegenüber erhebt sich das liegt Parlamentsgebäude Helsinki, ein klassizistischer Bau mit breiter Freitreppe. Nur wenige Schritte entfernt steht die futuristische Oodi Bibliothek, ein beliebter Treffpunkt mit viel Glas und Holz; Richtung Norden erreichst du die elegante Finlandia-Halle von Alvar Aalto am Wasser der Töölönlahti.

Der Besuch der Oodi – Bibliothek ist ein Erlebnis, offene große Räume, ein Cafe mit tollem Blick über den Park und überall Sitzmöglichkeiten zum Schmökern oder Mitmachen. Besonders auffällig die vielen Angebote zum Lernen: Computer, 3D – Drucker, Fotoprinter, Nähmaschinen und -kurse, Schachtische etc. Vielleicht ein Beispiel für für gute Lernangebote und der Grund, warum Finland ein so gutes Bildungsranking besitzt.

Am zweiten Tag besuchten wir u.a. die Suomenlinna-Festung. Nach einer kurzen Bootsfahrt vom Anleger am Markt sind wir in 15 Minuten angekommen. Die Festung gehört zu den faszinierendsten Sehenswürdigkeiten Helsinkis. Suomenlinna ist keine einzelne Burg, sondern ein weitläufiges Festungssystem, das sich über sechs miteinander verbundene Inseln erstreckt. Diese Lage mitten im Meer macht sie strategisch und landschaftlich außergewöhnlich. Die Festung wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele europäischer Militärarchitektur des 18. Jahrhunderts. Suomenlinna erzählt die Geschichte von gleich drei Epochen:

  • Schwedische Zeit (ab 1748): Bau als Seefestung gegen Russland
  • Russische Herrschaft: Ausbau und militärische Nutzung
  • Finnische Zeit: Heute kulturelles Erbe und Wohnort
Der zentrale Platz auf der Hauptinsel mit den Verwaltungsgebäuden.

Das Besondere: Suomenlinna ist kein reines Museum. Etwa 800 Menschen leben dort – mit Wohnungen, Schule, Werkstätten und kleinen Cafés. Geschichte und Alltag verschmelzen hier. Es bietet eine Kombination aus Tunneln, Bastionen und alten Kanonenstellungen

Am nächsten Tag sind wir erneut mit der U-Bahn in der Innenstadt und besuchen die Uspenski – Karthedrale und die Felsenkirche.

Die Uspenski-Kathedrale ist eines der markantesten Bauwerke in Helsinki und ein wichtiges Symbol der orthodoxen Kirche in Finnland. Sie thront im Stadtteil Katajanokka auf einem Felsen, weithin sichtbar über Helsinki. Gebaut aus rotem Backstein wurde sie 1868 eingeweiht, als Finnland ein Teil de russischen Reiches war und diente ursprünglich als Machtsymbol. Sie ist die größte orthodoxe Kirche in Nord- und Westeuropa  Und ist der entschlafung Mariens gewidmet („Uspenie“)

Die Felsenkirche von Helsinki (offiziell Temppeliaukio-Kirche) gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der finnischen Hauptstadt – und ist architektonisch weltweit einzigartig.

  • Die Kirche wurde direkt in einen Granitfelsen hineingesprengt und gebaut.  
  • Außen ist sie deshalb eher unscheinbar – wie ein flacher Felsen im Stadtbild.
  • Innen eröffnet sich jedoch ein beeindruckender, runder Raum mit naturbelassenen Felswänden.
  • Sie wurde 1969 fertiggestellt, ist etwa 13 Meter hoch und aus rohem Naturstein gebaut. Das markanteste Element ist die Kupferkuppel mit rund 180 Fenstern. Dadurch fällt natürliches Licht von oben ein und erzeugt eine ruhige, fast mystische Stimmung. Sie soll darüberhinaus durch die Felswände eine außergewöhnlich gute Akustik haben; leider konnten wir dort kein Konzert besuchen.

Zum Abschluss flanierten wir auch noch durch Esplanadi-Park; er ist einer der bekanntesten und beliebtesten Orte im Zentrum von Helsinki – eine Mischung aus Park, Promenade und Flaniermeile.

Tallinn

Es ist der 26. Juli und wir verlassen Haapsalu schon nach einem Tag und entscheiden uns in Tallinn für einen Campingplatz der ca. 20 km vor Tallinn liegt, in dem kleinen Ort Padula mit einem Bahnanschluss, so dass wir Tallinn günstig mit der Bahn erreichen können. Die Station ist nur 300 m entfernt und der Zug fährt jede Stunde. Nach dem wir uns eingerichtet haben starten wir zur ersten Stippviste nach Tallinn, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.

Die Geschichte der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn reicht weit zurück und ist geprägt von wechselnden Herrschaften, Handelsblüte und kulturellen Einflüssen aus ganz Nordeuropa. Bereits im frühen Mittelalter befand sich an der strategisch günstigen Stelle am Finnischen Meerbusen eine estnische Siedlung namens Reval. Ihre Lage machte sie zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen Skandinavien, Russland und Mitteleuropa.

Einen entscheidenden Einschnitt markierte das Jahr 1219, als der dänische König Waldemar II. die Region eroberte. Der Legende nach fiel während dieser Schlacht die dänische Flagge, der Dannebrog, vom Himmel. Unter dänischer Herrschaft entwickelte sich die Stadt weiter, bevor sie 1346 an den Deutscher Orden verkauft wurde. In dieser Zeit wurde Reval Mitglied der Hanse und erlebte eine wirtschaftliche Blüte. Kaufleute, Speicherhäuser und mächtige Stadtbefestigungen zeugen noch heute von dieser Epoche.

Im 16. Jahrhundert geriet die Stadt in den Einflussbereich Schwedens. Während der schwedischen Herrschaft wurde Tallinn zu einem wichtigen Verwaltungs- und Militärzentrum im Ostseeraum ausgebaut. Diese Phase endete 1710 im Zuge des Großer Nordischer Krieg, als russische Truppen die Stadt einnahmen. Fortan gehörte Tallinn zum Russischen Reich, behielt jedoch viele seiner deutschen und baltischen Traditionen.

Erst im 20. Jahrhundert begann für Tallinn eine neue nationale Phase. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Estland 1918 unabhängig, und Tallinn wurde zur Hauptstadt des neuen Staates. Diese Selbstständigkeit währte jedoch nicht lange: 1940 wurde Estland im Zuge des Zweiten Weltkriegs von der Sowjetunion besetzt, später von Deutschland und erneut von der Sowjetunion kontrolliert. Erst 1991, nach dem Zerfall der UdSSR, erlangte Estland seine Unabhängigkeit zurück.

Seitdem hat sich Tallinn zu einer modernen, dynamischen Hauptstadt entwickelt, die ihre mittelalterliche Altstadt – heute UNESCO-Weltkulturerbe – bewahrt hat und gleichzeitig als Vorreiter in Digitalisierung und Innovation gilt. Die Stadt verbindet somit auf einzigartige Weise jahrhundertealte Geschichte mit moderner europäischer Gegenwart.

Am 2. Tag besuchen wir die Stadt erneut mit der Bahn und besuchen als erstes den Domberg und die Burg Toompea, das historische Zentrum der Macht. Einst ließen hier die Bürger und Kaufleute der Unterstadt einen eigenen Teil der Stadtmauer errichten, um sich gegen die Ordensmacht zu schützen.

Die Aussichtsplattform bietet eine phantastische Sicht über die Stadt bis zum Hafen und nach einem kurzem Gang durch die Gassen stehen wir vom dem Dom und nach wenigen Schritten vor der riesigen orthodoxen Kathedrale. Gegenüber liegt das Schloß, in dem heute das estnische Parlament tagt.

Beim Spaziergang vom Domberg in die Altstadt gehen wir durch die Stadtmauer (ein Teilstück mit 4 Türmen ist hier noch erhalten, z.T. mit einem Museum) und wandern zum Rathausplatz mit seinem gotischen Rathaus; hier kaufen wir eine Eintrittskarte und erklimmen den Turm; kein leichtes Unterfangen, da die Treppe sehr eng wird und sehr ungleiche Stufen hat, sowohl in der Breite als auch in der Tritthöhe (bis zu 40 cm). Noch am nächsten Tag habe ich einen Muskelkater vom Treppensteigen. Doch der Aufstieg mit herrlichen Blick auf den Rathausplatz bis hin zum Hafen entlohnt für die Kraftanstrengung.

Am späten Nachmittag besuchen wir ein Chorkonzert in der Heilig-Geist-Kirche. Ein Jugendchor aus Bentenville (USA) bietet ein herrliches Chorkonzert. Anschließend nehmen wir die Bahn zurück zum Campingplatz. Aufgrund der späten Fahrzeit hält der ZUg nicht in Padula und wir müssen von der nächsten Haltestation eine 40 min Fußmarsch in Kauf nehmen.

Am dritten Tag fahren wir mit dem Fahrrad in die Stadt. Für die etwa 20 km lange Strecke auf meist gut ausgebauten Fahrradwegen benötigen knapp eine Stunde und besichtigen als erstes das Museum in der ehemaligen gotischen Nikolaikirche. Das Museum bietet einen Aufzug auf dem Turm mit einem phantastischen Rundumblick über Stadt und Hafen sowie mit dem einzig erhaltenem Teilstück des ehemals 30 m langen Gemäldes „Der Totentanz“ von Bernt Notke aus Lübeck, ein besonderes Highlight.

Der „Totentanz“ von Bernt Notke ist eines der berühmtesten Kunstwerke Estlands und ein herausragendes Beispiel spätmittelalterlicher Kunst im Ostseeraum. Entstanden ist es vermutlich Ende des 15. Jahrhunderte und Bernt Notke war einer der bedeutendsten spätgotischen Künstler Nordeuropas. Es wurde als Öl auf Leinwand (sehr selten für diese Zeit!) gemalt und war ursprüngliche Länge ca. 30 Meter lang, nur noch etwa 7–7,5 Meter Fragment erhalten geblieben ist. Der Totentanz ist ein typisches Motiv des Mittelalters und steht für die Vergänglichkeit des Lebens.

Dargestellt sind Menschen aller Stände, Papst, Kaiser, König, Geistliche und Bürger. Sie werden von Skeletten (dem Tod) zum Tanz geführtMit cider Botschaft: Vor dem Tod sind alle Menschen gleich. Der Ursprung dieses Motivs hängt eng mit den Erfahrungen der Pest und Krisen des Mittelalters zusammen – der Tod war allgegenwärtig und wurde bewusst ins Leben integriert.  

Das Gemälde beginnt vermutlich mit einem Prediger, der zur Besinnung aufruft, danach folgen Figuren in strenger Rangordnung und dazwischen ihnen jeweils tanzende Todesgestalten.

Es ist jedoch nur der Anfangsteil mit etwa 13 Figuren erhalten geblieben und gilt als bekanntestes mittelalterliches Kunstwerk Estlands.

Zum Abschluss des Tages besuchen wieder ein Konzert, diesmal in der Johanneskirche. Es spielt ein Orchester und es singen ein Chor, auch dieses Mal aus den USA. Während der Chor eine positive Überraschung war, überzeugte der Chor nicht. Gegen 19:45 Uhr fahren wir mit dem Fahrrad zurück, eine kürze Strecke, ca. 18 km und sind nach ca. 1 Std am Campingplatz.

Am vierten und letzten Tag besuchen wir das Telliskivi Creative City, das bekannteste und spannendste Kreativviertel in Tallinn es liegt nördlich der Altstadt im Stadtteil Kalamaja und gehört heute zu den lebendigsten Orten der Stadt. Ursprünglich war das Gelände ein Eisenbahn- und Fabrikkomplex aus dem 19./20. Jahrhundert. Nach dem Ende der Industrie wurde das Areal ab den 2000er-Jahren umgebaut. Heute ist es ein Zentrum für Kunst, Start-ups und kreative Unternehmen.

Der besondere Reiz sind die alten Backsteinhallen und die modere moderne Kreativszene, Street Art & Graffiti an fast jeder Wand ,Galerien, Ateliers & Designläden so wie viele Cafés, Bars und Restaurant. Ein Highlight im Viertel ist das Fotomuseum Fotografiska Tallinn – international bekannt für moderne Fotografie. Wir besuchen das Fotomuseum und sind überrascht über die vielen kreativen „Fotokreationen“

Nach dem Fotomuseum noch einen Gang durch die Stadt zum Viru – Tor und über den Rathausplatz, bevor wir dann zum dritten Mal als Tagesabschluss ein Chorkonzert – dieses Mal ein kanadischen Chor – in der Johanneskirche besuchen.

Haapsalu

Wir verlassen Saareema, kehren noch kurz beim Schwarzbrotbäcker ein, um das empfohlene tolle Schwarzbrot zu kaufen -schmeckt übrigens wirklich hervorragend und fahren dann nach Haapsalu, eine Zwischenstation auf dem Weg nach Tallinn. Dort campen wir im Hinterhof eines Hauses in der Altstadt

Haapsalu ist eine kleine, charmante Küstenstadt im Westen Estlands (ca. 10.000 Einwohner), etwa eine Stunde von Tallinn entfernt. Sie gilt als einer der schönsten Kurorte des Landes und verbindet Geschichte, Natur und Kultur auf engem Raum.

Gegründet wurde die Stadt im 13. Jahrhundert (1228/1279) als Bischofssitz des Bistums Ösel-Wiek mit der mächtigen Bischofsburg als Zentrum, die über Jahrhunderte das politisches und religiöses Zentrum war. Später wurde der Bischofssitz auf die Insel Saareema verlegen und der Bischof residierte in der dortigen Arensburg. Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit als Kur- und Badeort (Schlammbäder galten als heilend – ich erinnere mich an die Elefanten aus Pärnu -)  

Aufgrund seiner ruhigen Küstenlage mit flachem Wasser und vielen Buchten ist die Stadt auch heute noch bekannt für Seebäder und Wellness (heilender Schlamm), hat eine tolle Promenade und besitzt mit dem Kursaal aus 1898 eines der schönsten Holzgebäude Estlands. Daneben findet man noch viele Holzvillen im Jugendstil.

Die Bischofsburg als Luftbild und aus Sicht des Parks mit seinen noch nicht renovierten Mauern.

Ein weiters Highlight im Ort ist der alte Bahnhof mit seinem 212 m langen Bahnsteig, einst eigens gebaut für einen Empfang des russischen Zarren. Heute beinhaltet die Fläche auch ein Lok – Museum. Doch leider verfällt die historische Stätte langsam.

Insel Saaremaa

Wir verlassen Paatsalu am Nachmittag um die gebuchte Abendfähre zu bekommen. Wir sind schon 2 Stunden vor der gebuchten Zeit an der Fähre und können eine frühere Fähre nutzen. Nach ca. 30 Minunten Fährzeit sind bereits auf der Insel und weiteren 60 Minuten schon in Kuressaare auf unser Stellplatz angekommen, einem ruhigen Garten inmitten eines kleinen Wohngebietes am Rande der Stadt.

Kuressaare ist die Hauptstadt der Insel Saaremaa und war über Jahrhunderte unter dem deutschen Namen Arensburg bekannt. Die Stadtgeschichte ist eng mit der Burg verbunden, die als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Festungen im Baltikum gilt und den Ort überhaupt erst entstehen ließ.

Die Siedlung entwickelte sich im Umfeld der Bischofsburg; der Grundstein der Anlage wurde im 14. Jahrhundert gelegt. 1559 kam Kuressaare unter dänische Herrschaft, erhielt 1563 Stadtrechte, wurde 1645 schwedisch und fiel nach dem Nordischen Krieg 1721 an das Russische Kaiserreich. Im 19. Jahrhundert wurde der Ort zu einem beliebten Kur- und Badeort, was sein Stadtbild bis heute prägt.

Der Name Arensburg bezeichnet die historische deutschsprachige Bezeichnung von Kuressaare und ist eng mit der Burg und der deutsch-baltischen Geschichte verbunden. Die Burg selbst begann als Holzburg und wurde über Jahrhunderte zu einer Stein- und später Festungsanlage ausgebaut; sie ist heute das wichtigste historische Wahrzeichen der Stadt. Der Name wird oft mit dem Wort „Aar“ beziehungsweise Adler erklärt, der als symbolischer Schutzengel des Bistums galt.

Für Kuressaare ist die Burg nicht nur Denkmal, sondern auch identitätsstiftendes Zentrum der Stadtgeschichte und Tourismusmagnet. Neben der Festung prägen Rathaus, historische Bürgerhäuser und der Kurpark das Bild einer Stadt, die von mittelalterlicher Machtgeschichte und späterer Kurortkultur lebt. Gerade diese Verbindung aus Wehrgeschichte und Heilbad-Tradition macht Kuressaare kulturell so bedeutend.

Auch wenn der Deutsche Orden im Baltikum eine bedeuteten Rolle spiele, war die Arensburg keine typische Deutschordensburg, aber ihre Entstehung und frühe Geschichte sind eng mit der Ordenszeit im Baltikum verbunden. Der Deutsche Orden war ein Mitakteur der Region, während Arensburg selbst vor allem als Bischofsresidenz und Festung Bedeutung bekam.

Wichtigstes Ereignis des Tages, das Abendspiel der deutschen Nationalmanschaft gegen die Elfenbeinküste, mit dem glücklichem Ergebnis von 2:1 in der Nachspielezeit.

Vor dem Spiel unternehmen wir noch eine kurze Fahrradtour durch den Ort, um erste Eindrücke zu gewinnen. Es sieht sehr vielversprechend aus. Plane schon mal eine längere Tour mit Burg, Windmühle und Einkehrmöglichkeiten für den Folgetag.

Wir planen hier 4 Tage zu bleiben, um die Mittsommernachtsfeierlichkeiten, die auf der Insel besonders intensiv sein sollen, zu erleben.

Ein Blick auf die gut restaurierte Arensburg mit ihrem Burggraben und Burgwall sowie ein Blick ins Innere mit dem Gewölbe im Essenssaal, dem Skelett eines eingemauerten Inquisitors, der anstatt dem katholischen Bischof im Kampf gegen die protestantischen Vasallen zu helfen sich in eine blonde „Maid“ verliebte. Daraufhin wurde die „Maid“ in ein Kloster verbannt und er in ein Burgverlies eingemauert.

Der Marktplatz von Kuressaare

Die Feierlichkeiten zur Mittsommernacht waren jedoch deutlich anders als wir es uns vorgestellt haben. Sie fanden auf einem freien Platz zwischen Burg und Badestrand statt und erinnern uns mehr an einen Rummelplatz mit kleinem Feuer, aber viel Musik (4 Bands am Abend), Fahrgeschäften und Essenständen. Traditionelle Trachten und Tänze waren nur vereinzelt zu sehen. Außerdem wurde ein Eintritt von 25 Euro verlangt, so dass wir uns die Szenerie nur kurz von außen betrachtet haben. Auf dem Marktplatz bzw. in der ganzen Stadt waren keine Feierlichkeiten zu erkennen.

Am letzten Tag des Aufenthalts auf Saaremaa unternehmen wir eine Inselrundfahrt und besuchen den Windmühle-Park in Angla mit einem Bauernmuseum sowie die Steilküste in Panga auf der gegenüberliegenden Inselseite, etwa 40 km entfernt.

Entlang der Steilküste nutzen wir auch den military hiking trail zu einer kleinen Wanderung, der ehemals von der sowjetische Armee angelegt wurden, als sie im 2. Weltkrieg die baltischen Staaten annektiert haben. Dort sollen angeblich bis zu 100 000 Soldaten die Seeseite gesichert haben.

Paatsalu

Wir verlassen Pärnu und erreichen bei herrlichen Sonnenschein nach ca 1 Std. Paatsalu, ist ein kleines, abgelegenes Dorf im Westen Estlands. Es liegt im Kreis Pärnu, in der Gemeinde Lääneranna, direkt an der Küste des Rigaischen Meerbusens und hat nur etwa 60–70 Einwohner.

Paatsalu ist kein klassischer Urlaubsort, sondern ein kleines, naturbelassenes Küstendorf, das vor allem durch Ruhe, Weite und ursprüngliche Landschaft besticht. Wir stehen direkt an einem kleinen Hafen mit einem Ferienhaus im Hintergrund, dass uns alle Sanitäranlagen bietet.

Pärnu

Wir verlassen den Campingplatz in Saulkrasti, weil er sehr schlechte Sanitäranlagen bietet und auch der Strand nicht gepflegt wird. Wir fahren ca. 130 km weiter nördlich nach Pärnu und erreichen erstmals Estland.

Estland ist das kleinste der drei baltischen Staaten und hat mit ca 1,3 Mio. Einwohner auch die geringste Einwohnerzahl. Auch die Sprache setzt sich deutlich von den anderen baltischen Staaten ab: Während die estländische Sprache zum finno-ugurischen Sprachraum gehört, zählen die lettische Sprache zur balto-slawsichen und die litauische Sprache zur Indo-europäischen Sprachfamilie.

In Pärnu mieten wir uns für 3 Tage auf einem kleinen Campingplatz zwischen Ostsee und dem Fluß Pärnu ein, der viel von finnischen Gästen besucht wird. Pärnu selbst ist eine Küstenstadt im Südwesten Estlands an der Rigaer Bucht mit etwa 50.000 Einwohner und wird auch „Sommerhauptstadt Estlands“ genannt.  Es ist der wichtigste Bade- und Kurort des Landes und mit seinen langen Sandstränden (ca. 3 km), bekannt für Spa‘s, Moorbäder und Erholung seit dem 19. Jh.  …und wie schon viele Orte auf unserer Reise, Pärnu war Mitglied der Hanse, wurde zeitweise vom Deutschen Orden beherrscht und hatte auch wechselnde Zugehörigkeiten, mal Schweden, mal Polen, mal Russland. 

Hier eine kleine Elefantenfamilie in grünem Samt; aber überall im Stadtbild tauchen Elefanten auf, mal größer und mal kleiner oder komplette Elefantenfamilien.

Dazu gibt es eine passende „Legende“, das Pärnu schon seit Jahrhunderten ein Ort für Erholung ist – mit Meer, Bädern und Kuren. Mitte des 20. Jahrhunderts sollen plötzlich mysteriöse Elefanten in Pärnu aufgetaucht sein. Sie hätten im Meer gebadet und im Sand „Schlamm“ erzeugt, der später sogar für Heilanwendungen genutzt wurde. Schließlich „entschied“ sich ein Elefant, am Strand zu bleiben – quasi als Teil der Stadt. Später kam noch eine ganze Elefantenfamilie dazu.

Tatsächlich sind die Elefanten kein Zufall, sondern wohl Teil einer kreativen Stadtgeschichte – irgendwo zwischen Legende, Humor und moderner Kunstaktion.

Auch hier in Pärnu sieht man noch viele Holzhäuser in der traditionellen Bauweise, mal schlicht, mal reich verziert und mal mehrgeschossig. Die Gründe sind klima- und rohstoffbedingt:

  • Große Wälder → Holz war jahrhundertelang der wichtigste Baustoff
  • Typisch sind Blockhäuser (Blockbauweise) aus übereinandergelegten Stämmen
  • Oft kunstvoll verziert (besonders in Lettland)
  • Holz reguliert Feuchtigkeit gut – ideal für das wechselhafte Klima

Heute ist der 16.06. Um einige Reparaturen am Camper durchführen zu lassen, war ich heute mehrere Stunden in der Werkstatt. Es wurden die Wasserpumpe für die Wasserversorgung sowie die Zusatzbatterien ausgetauscht. … eine sehr teure Angelegenheit!

Saulkrasti

Wir verlassen Riga Richtung Osten und fahren nach Saulkrasti an die Ostseeküste, um ein paar Tage zu entspannen. Leider gibt es hier keine guten Campingplätze; auch dieser ist sehr dürftig ausgestattet. Da er jedoch direkt am Strand liegt, bleiben wir und nehmen die dürftigen Sanitäranlagen in Kauf.

Zum Abschluss des Aufenthaltes in Lettland noch eine paar Fakten über das Land. Lettland ist mit ca. 1,9 Mio. das zweitkleinste Land des Baltikums und seit 1991 unabhängig von der Sowjetunion. Historisch betrachtet war es ein wichtiges Handelszentrum der Hanse, hat eine multikulturelle Bevölkerung mit starkem russischen Anteil und ist auch heute noch ein bedeutender Hafen- und Logistikstandort für das Baltikum.

Riga

Von Kuldiga fahren wir nach Riga und erreichen nach ca. 1,5 Stunden den Campingplatz Riverside am Ende einer Landzunge Im Fluß Düna, sehr nahe an der Altstadt.

Riga ist die Hauptstadt Lettlands und das politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Mitglied der Hanse und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz im Ostseeraum. Heute gilt Riga als größte Metropole des Baltikums und als wichtiges Verkehrsdrehkreuz zwischen Ost und West. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre gut erhaltene Altstadt und ihre beeindruckende Jugendstil-Architektur. Riga spielt zudem eine zentrale Rolle für die nationale Identität und Geschichte Lettlands.

Wir nehmen ein Taxi in die Altstadt. Da keine deutschsprachige Führung verfügbar ist, besuchen wir nach und nach die wichtigsten Sehenswürdigkeiten:

1. Altstadt

Die historische Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe. Enge Gassen, mittelalterliche Häuser und lebendige Plätze machen sie zum Herz der Stadt.

Die Altstadt weist nicht nur sehr viele Straßencafé und Restaurants auf, die m.E. die Szenerie der Altststadt beeinträchtigen, sondern hat auch, teilweise versteckt, sehr schöne urige Café zu bieten.

Hier ist das Motiv „Lilienthal mit Flugapparat“ an einer Wand auf dem Domplatz abgebildet mit einem Spruch; der übersetzt heißt: Wer sagt „Das geht nicht“, der sollte damit nicht jemand stören, der gerade dabei ist etwas zu tun.

(Siemens, in Lettland seit 1853)

2. Dom zu Riga

Der Dom zu Riga ist das größte und bedeutendste Kirchengebäude der lettischen Hauptstadt und wurde im Jahr 1211 gegründet. Er vereint mehrere Baustile – von der Romanik über die Gotik bis zum Barock – was seine lange Baugeschichte widerspiegelt. Besonders bekannt ist der Dom für seine beeindruckende Orgel, die zu den größten Europas zählt. Heute ist er ein wichtiges Wahrzeichen Rigas sowie ein Ort für Gottesdienste und Konzerte.

Die Orgel im Dom zu Riga gehört zu den größten und bedeutendsten historischen Orgeln Europas. Sie wurde 1883/84 von der deutschen Firma Walcker gebaut und galt damals sogar als eine der modernsten Orgeln der Welt.  

Mit über 6.700 Pfeifen, 124 Registern und vier Manualen ist sie ein gewaltiges Instrument; die größten Pfeifen sind etwa 10 Meter lang. Dadurch besitzt die Orgel eine enorme Klangvielfalt – von sehr leisen, fast flüsternden Tönen bis hin zu einem Klang, der ein ganzes Orchester nachahmen kann.  

Ihre Bedeutung liegt nicht nur in der Größe, sondern auch in ihrer musikalischen Qualität: Sie gilt als Meisterwerk der spätromantischen Orgelbaukunst und ist bis heute das Herzstück des Doms. Regelmäßige Konzerte machen sie zu einer der wichtigsten musikalischen Attraktionen Rigas.  

3. Schwarzhäupterhaus

Das Schwarzhäupterhaus wurde im 14. Jahrhundert als Versammlungs- und Festhaus der Compagnie der Schwarzhäupter, einer Vereinigung junger, unverheirateter Kaufleute in Riga. Diese Bruderschaft wählte im 15. Jahrhundert den heiligen Mauritius als Schutzpatron. Mauritius wurde traditionell als dunkelhäutiger („schwarzer“) Heiliger dargestellt. Sein Symbol – der sogenannte Mohrenkopf – erschien im Wappen der Bruderschaft.

Diese Vereinigung bestand aus unverheirateten Kaufleuten, die vor allem im Fernhandel tätig waren und eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach erweitert und prunkvoll im Stil der Renaissance und des Barock umgestaltet. Es entwickelte sich zu einem repräsentativen Ort für Empfänge, Feste und bedeutende gesellschaftliche Ereignisse.

Links das Haus des Weinhändlers Schwabe und rechts das Schwarzhäupterhaus

… eine interessante Waage (1 pot = 8,4 kg) …das Emblem der Schwarzhäupter

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schwarzhäupterhaus 1941 bei Luftangriffen schwer beschädigt und später vollständig zerstört. In der Zeit der Sowjetunion blieb der Platz lange leer. Erst nach der Unabhängigkeit Lettlands wurde das Gebäude originalgetreu rekonstruiert und 1999 wiedereröffnet. Heute zählt es zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rigas und symbolisiert den historischen Reichtum und die Handelsgeschichte der Stadt.

Der Saal Lübeck im Schwarzhäupterhaus hat eine besondere Bedeutung, da die beiden Hansestädte Lübeck und Riga schon im 12. und 13. Jh. Verträge über den Handel und den Austausch von Waren aus aller Welt schlossen. Lübeck galt zu der Zeit als die Hauptstadt der Hanse und viele Lübecker Kaufleute siedelten sich in Riga an und umgekehrt.

Der große Versammlungs- und Festsaal mit prächtigem Deckenfresko sowie zahlreichen Wandgemälden von gekrönten Häuptern und Persönlichkeiten. Auch Richard Wagner hat hier schon einige Jahre seine Konzerte gegeben.

4. Der Konventhof

Der Konventhof befindet sich im ältesten Teil der Stadt, dort wo ursprünglich die Burg des Schwertbrüderordens stand, die allerdings im 13. Jh erbaut und noch im gleichen Jh. zerstört wurde. Im 14. Jh. ließ sich dann an diesem Platz der Konvent des heiligen Geiste nieder. Heut findet man dort nett renovierte Häuser, wenig spektakulär, mit dem Porzelannmuseum und neben an Museum für dekorative Kunst und Desgin.

5. Drei Brüder

Das Besondere am Haus der „Drei Brüder“ in Riga ist nicht ein einzelnes Gebäude – sondern ein ganzes Ensemble aus drei mittelalterlichen Häusern, das einzigartig für die Stadt ist. Die drei Häuser stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Das Haus Nr. 17 ist sogar das älteste erhaltene Steinhaus der Stadt.  …und die drei Häuser weisen 3 Baustile auf bzw. stammen jeweils aus einer andere Epoche:

  • Gotik / frühe Renaissance (ca. 1490)
  • Niederländischer Manierismus (17. Jh.)
  • Barock (spätes 17. Jh.)  

Darüber hinaus zeigt es die typische enge Bauweise für Hansestädte. Der Name „Drei Brüder“ kommt wahrscheinlich von einer Legende, dass drei Männer einer Familie die Häuser gebaut haben.  

In der Nähe „Der drei Brüder“ entdecken wir „TheMost Romantic Cafe“ und legen in diesem verwinkeltem und urigem Cafe eine Pause ein. Eine absolute Empfehlung für den Stadtbummler.

6. Die Synagoge

Riga hatte einst eine große und bedeutende jüdische Gemeinde und die Peitav-Synagoge ist die einzige erhaltene Synagoge der Stadt, gebaut 1903–1905 im Jugendstil mit altägyptischen Elementen und Heute ein wichtiges Kulturdenkmal und religiöses Zentrum. Sie liegt etwas abseits in der Altstadt und obwohl sie abseits liegt, unterliegt sie auch hier der polizeilichen Beobachtung.

7. Freiheitsdenkmal

Auf dem Weg von der Neustadt mit seinem Jugendstilviertel in die Altstadt passieren wir auf einem zentralen Platz das Freiheitsdenkmal an dem gerade ein Wachswechsel stattfand. Es steht zentral zwischen Altstadt und Neustadt und verkörpert den Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit, wurde 1931- 1935 erbaut und erinnert an die Gefallenen des lettischen Unabhängigkeitskrieges (1918–1920) und steht für:

  • Einheit Lettlands  
  • nationale Souveränität
  • Freiheitswillen des Volkes

8. Jugendstilviertel

Riga ist weltberühmt für seine Jugendstilarchitektur, besonders entlang der Alberta iela.

Jugendstil in Riga

Die lettische Hauptstadt Riga gilt als eine der bedeutendsten Jugendstil-Metropolen Europas. Rund ein Drittel aller Gebäude im Stadtzentrum stammen aus dieser Epoche (ca. 1890–1914). Besonders eindrucksvoll sind die Straßenzüge rund um die Alberta iela und Elizabetes iela. Hier nur einige Beispiele aus eigner Anschauung.

Ein besonders prägender Architekt war Michail Eisenstein, dessen Gebäude für ihre spektakulären und oft überladen wirkenden Fassaden bekannt sind. Heute gehört das historische Zentrum von Riga zum UNESCO-Weltkulturerbe – auch wegen dieser einzigartigen Jugendstil-Architektur; typische Merkmale sind:

  • Reiche Fassadendekorationen mit Masken, Figuren und mythologischen Motiven
  • Florale Ornamente und geschwungene Linien („organische Formen“)
  • Symbolik und Fantasiefiguren, oft mit expressiver Wirkung
  • Aufwendig gestaltete Treppenhäuser und Innenräume

Aufwendig dekoriertes Treppenhaus im Museum des Jugendstils in der Allberta – Straße und ein Foto aus dem Jugendstil – Shop.

Nach all den tollen Fasseden und dekorativen Einrichtungen stellte sich die Frage, woher stammt der Begriff Jugendstil. Laut Recherche stammt er aus Deutschland und geht auf die Münchner Kunstzeitschrift „Die Jugend“ zurück, die ab 1896 erschien. Diese Zeitschrift prägte den neuen Kunststil maßgeblich – daher der Name. International wird derselbe Stil unterschiedlich bezeichnet:

  • Art Nouveau (Frankreich, Belgien)
  • Sezessionsstil (Österreich, z. B. Gustav Klimt)
  • Modern Style (England)

Der Jugendstil wollte sich bewusst von historischen Stilkopien lösen und etwas völlig Neues schaffen:

  • Verbindung von Kunst und Handwerk
  • Gestaltung des gesamten Lebensumfelds (Architektur, Möbel, Grafik)
  • Orientierung an der Natur als Vorbild

9. Zentralmarkt Riga

Der Zentralmarkt Riga ist einer der größten Märkte Europas und befindet sich in den ehemaligen Zeppelin-Hallen am Pilsetas Kanal. Hier treffen wir kurz vor Ladenschluss ein und haben noch einen Blick ins Halleninnere. Es ist keine beeindruckende Markthalle wie wir sie schon in Valencia gesehen haben, sondern schlicht und funktional. Auf der ersten Ebene sind Lebensmittel und Obst und auf der zweiten Ebene Kleidung zu haben. Wir kaufen ein wenig Obst und beenden den ersten Besichtigungstag und fahren mit einem Taxi von Bolt zum Campingplatz zurück.

10. Rigaer Schloss

Die Bilder zeigen zwei Seiten des Schlosses von Riga; links die dem Fluß zugewandte Seite im renoviertem Gewand mit Turm und rechts die modern gestaltete, dem Park zugewandte Seite mit Sitz des Präsidenten Lettlands.

Kuldiga

Wir haben entschieden, auf dem Weg nach Riga, einen kurzen Umweg über Kuldiga zu nehmen, um den breitesten Wasserfall Europas zu sehen. Kurz nach dem Start fängt es an dauerhaft zu regnen, selbst als wir in Kuldiga ankommen. Nach einem kurzen Spaziergang durch den kleinen Ort, die den Eindruck einer Filmkulisse für einen Film aus dem 19 Jh. macht, einem Blick auf den Wasserfall von einen großen Brücke über den Fluß aus, besuchen wir eine Gaststätte zum Mittagessen. Da das Wetter zu keinen weiteren Aktivitäten einlädt, verlassen wir den kleinen Ort nach 2 Stunden und fahren weiter nach Riga.

Der Ventas Rumba ist mit etwa 200–260 m Breite der breiteste Wasserfall Europas, jedoch nicht besonders spektakulär, insbesondere nicht bei Regen, außer das er inmitten der Stadt liegt.

Eine Altstadt wie aus der Zeit gefallen

Die Altstadt ist extrem gut erhalten, Gebäude aus dem 16.–18. Jahrhundert, die ursprüngliche Stadtstruktur kaum verändert  und wirkt wie eine „lebendige Filmkulisse“. Aber wir finden auch schöne Ecken, einen Skulpturenpark und schöne Wanderwege am Fluß entlang.

Liepāja

Nach einem etwa 2-stündigen Spaziergang durch Kleipedia fahren wir Richtung Liepāja. Die Straßenverhältnisse sind sehr gut, wenig Verkehr und nach gut einer Stunde erreichen wir Liepaja. Wir haben uns einen privaten Campingplatz am Stadtrand im Garten eines Einfamilienhauses ausgesucht und sind die einzigen Gäste. Wir werden freundlich empfangen und zahlen nur 20 Euro die Nacht, alles inkl.

Liepāja ist eine Stadt im Westen von Lettland an der Ostsee, die drittgrößte Stadt des Landes (nach Riga und Daugavpils), mit ca. 70.000 Einwohner, bekannt für den wohl schönsten Sandstrand im Baltikum und mit wichtigem eisfreiem Hafen. Darüber hinaus gilt sie als „Stadt der Musik“ als Heimat vieler lettischer Künstler und als Veranstaltungsort großer Festivals und Konzerte.

Auf einer Fahrradtour erkundigen wir einige der Sehenswürdigkeiten:

  • Strand von Liepāja
    • Feiner, heller Sandstrand – einer der schönsten im Baltikum
    • Ideal für lange Spaziergänge und Sonnenuntergänge
    • Sehr sauber und weitläufig
  • Konzerthalle „Großer Bernstein“
    • Architektonisches Wahrzeichen
    • Zentrum für Musik und Kultur
    • Spitzname: „Stadt der Musik“
  • Dreifaltigkeitskathedrale
    • Riesige historische Orgel
    • Aussichtsturm mit tollem Blick
    • Bedeutendes religiöses Bauwerk

  • Rosenplatz
    • Zentraler Treffpunkt
    • Viele Rosenbeete im Sommer
    • Ausgangspunkt für Stadtrundgänge
  • Promenade & Hafen
    • Schöne Uferpromenade entlang des Hafens
    • Historische Kräne und maritime Atmosphäre
    • Beliebt für Spaziergänge
  • St.-Nikolaus-Marinekathedrale
    • Beeindruckende orthodoxe Kirche
    • Errichtet für die russische Marine
    • Auffällige goldene Kuppeln
  • Seaside Park
    • Großer Park direkt hinter den Dünen
    • Ideal zum Radfahren und Entspannen
    • Viele Skulpturen und Spazierwege

  • Walk of Fame der lettischen Musiker
    • Ehrung berühmter lettischer Musiker
    • Einzigartig im Baltikum
    • Unterstreicht Liepājas Musiktradition
  • Historisches Stadtzentrum (Holzarchitektur)
    • Mischung aus Jugendstil und Holzhäusern
    • Charmante, ruhige Altstadt
    • Perfekt zum Entdecken abseits der Touristenmassen

Zusammenfassend läßt sich festhalten, dass die Stadt noch stark im Umbruch ist. Viele Teile der Stadt sind schon modernisiert mit toller Infrastruktur, guten Fahrradwegen, insbesondere die Seeseite mit dem wundervollem Park. Die Innenstadt hat aber noch viele Kopfsteinpflasterstraßen und insbesondere in der Altstadt noch viele alte Holzhäuser, die unbewohnt erscheinen. Überall werden wir freundlich empfangen. Weiterhin auffällig ist die junge Altersstruktur und die vielen Kinder im Straßenbild.

Nach oben scrollen