Von Kuldiga fahren wir nach Riga und erreichen nach ca. 1,5 Stunden den Campingplatz Riverside am Ende einer Landzunge Im Fluß Düna, sehr nahe an der Altstadt.
Riga ist die Hauptstadt Lettlands und das politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Zentrum des Landes. Die Stadt war im Mittelalter ein bedeutendes Mitglied der Hanse und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz im Ostseeraum. Heute gilt Riga als größte Metropole des Baltikums und als wichtiges Verkehrsdrehkreuz zwischen Ost und West. Besonders bekannt ist die Stadt für ihre gut erhaltene Altstadt und ihre beeindruckende Jugendstil-Architektur. Riga spielt zudem eine zentrale Rolle für die nationale Identität und Geschichte Lettlands.
Wir nehmen ein Taxi in die Altstadt. Da keine deutschsprachige Führung verfügbar ist, besuchen wir nach und nach die wichtigsten Sehenswürdigkeiten:
1. Altstadt
Die historische Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe. Enge Gassen, mittelalterliche Häuser und lebendige Plätze machen sie zum Herz der Stadt.




Die Altstadt weist nicht nur sehr viele Straßencafé und Restaurants auf, die m.E. die Szenerie der Altststadt beeinträchtigen, sondern hat auch, teilweise versteckt, sehr schöne urige Café zu bieten.

Hier ist das Motiv „Lilienthal mit Flugapparat“ an einer Wand auf dem Domplatz abgebildet mit einem Spruch; der übersetzt heißt: Wer sagt „Das geht nicht“, der sollte damit nicht jemand stören, der gerade dabei ist etwas zu tun.
(Siemens, in Lettland seit 1853)
2. Dom zu Riga

Der Dom zu Riga ist das größte und bedeutendste Kirchengebäude der lettischen Hauptstadt und wurde im Jahr 1211 gegründet. Er vereint mehrere Baustile – von der Romanik über die Gotik bis zum Barock – was seine lange Baugeschichte widerspiegelt. Besonders bekannt ist der Dom für seine beeindruckende Orgel, die zu den größten Europas zählt. Heute ist er ein wichtiges Wahrzeichen Rigas sowie ein Ort für Gottesdienste und Konzerte.
Die Orgel im Dom zu Riga gehört zu den größten und bedeutendsten historischen Orgeln Europas. Sie wurde 1883/84 von der deutschen Firma Walcker gebaut und galt damals sogar als eine der modernsten Orgeln der Welt.
Mit über 6.700 Pfeifen, 124 Registern und vier Manualen ist sie ein gewaltiges Instrument; die größten Pfeifen sind etwa 10 Meter lang. Dadurch besitzt die Orgel eine enorme Klangvielfalt – von sehr leisen, fast flüsternden Tönen bis hin zu einem Klang, der ein ganzes Orchester nachahmen kann.
Ihre Bedeutung liegt nicht nur in der Größe, sondern auch in ihrer musikalischen Qualität: Sie gilt als Meisterwerk der spätromantischen Orgelbaukunst und ist bis heute das Herzstück des Doms. Regelmäßige Konzerte machen sie zu einer der wichtigsten musikalischen Attraktionen Rigas.

3. Schwarzhäupterhaus
Das Schwarzhäupterhaus wurde im 14. Jahrhundert als Versammlungs- und Festhaus der Compagnie der Schwarzhäupter, einer Vereinigung junger, unverheirateter Kaufleute in Riga. Diese Bruderschaft wählte im 15. Jahrhundert den heiligen Mauritius als Schutzpatron. Mauritius wurde traditionell als dunkelhäutiger („schwarzer“) Heiliger dargestellt. Sein Symbol – der sogenannte Mohrenkopf – erschien im Wappen der Bruderschaft.
Diese Vereinigung bestand aus unverheirateten Kaufleuten, die vor allem im Fernhandel tätig waren und eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gebäude mehrfach erweitert und prunkvoll im Stil der Renaissance und des Barock umgestaltet. Es entwickelte sich zu einem repräsentativen Ort für Empfänge, Feste und bedeutende gesellschaftliche Ereignisse.





… eine interessante Waage (1 pot = 8,4 kg) …das Emblem der Schwarzhäupter
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schwarzhäupterhaus 1941 bei Luftangriffen schwer beschädigt und später vollständig zerstört. In der Zeit der Sowjetunion blieb der Platz lange leer. Erst nach der Unabhängigkeit Lettlands wurde das Gebäude originalgetreu rekonstruiert und 1999 wiedereröffnet. Heute zählt es zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Rigas und symbolisiert den historischen Reichtum und die Handelsgeschichte der Stadt.

Der Saal Lübeck im Schwarzhäupterhaus hat eine besondere Bedeutung, da die beiden Hansestädte Lübeck und Riga schon im 12. und 13. Jh. Verträge über den Handel und den Austausch von Waren aus aller Welt schlossen. Lübeck galt zu der Zeit als die Hauptstadt der Hanse und viele Lübecker Kaufleute siedelten sich in Riga an und umgekehrt.

Der große Versammlungs- und Festsaal mit prächtigem Deckenfresko sowie zahlreichen Wandgemälden von gekrönten Häuptern und Persönlichkeiten. Auch Richard Wagner hat hier schon einige Jahre seine Konzerte gegeben.
4. Der Konventhof
Der Konventhof befindet sich im ältesten Teil der Stadt, dort wo ursprünglich die Burg des Schwertbrüderordens stand, die allerdings im 13. Jh erbaut und noch im gleichen Jh. zerstört wurde. Im 14. Jh. ließ sich dann an diesem Platz der Konvent des heiligen Geiste nieder. Heut findet man dort nett renovierte Häuser, wenig spektakulär, mit dem Porzelannmuseum und neben an Museum für dekorative Kunst und Desgin.
5. Drei Brüder

Das Besondere am Haus der „Drei Brüder“ in Riga ist nicht ein einzelnes Gebäude – sondern ein ganzes Ensemble aus drei mittelalterlichen Häusern, das einzigartig für die Stadt ist. Die drei Häuser stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Das Haus Nr. 17 ist sogar das älteste erhaltene Steinhaus der Stadt. …und die drei Häuser weisen 3 Baustile auf bzw. stammen jeweils aus einer andere Epoche:
- Gotik / frühe Renaissance (ca. 1490)
- Niederländischer Manierismus (17. Jh.)
- Barock (spätes 17. Jh.)
Darüber hinaus zeigt es die typische enge Bauweise für Hansestädte. Der Name „Drei Brüder“ kommt wahrscheinlich von einer Legende, dass drei Männer einer Familie die Häuser gebaut haben.
In der Nähe „Der drei Brüder“ entdecken wir „TheMost Romantic Cafe“ und legen in diesem verwinkeltem und urigem Cafe eine Pause ein. Eine absolute Empfehlung für den Stadtbummler.

6. Die Synagoge
Riga hatte einst eine große und bedeutende jüdische Gemeinde und die Peitav-Synagoge ist die einzige erhaltene Synagoge der Stadt, gebaut 1903–1905 im Jugendstil mit altägyptischen Elementen und Heute ein wichtiges Kulturdenkmal und religiöses Zentrum. Sie liegt etwas abseits in der Altstadt und obwohl sie abseits liegt, unterliegt sie auch hier der polizeilichen Beobachtung.


7. Freiheitsdenkmal

Auf dem Weg von der Neustadt mit seinem Jugendstilviertel in die Altstadt passieren wir auf einem zentralen Platz das Freiheitsdenkmal an dem gerade ein Wachswechsel stattfand. Es steht zentral zwischen Altstadt und Neustadt und verkörpert den Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit, wurde 1931- 1935 erbaut und erinnert an die Gefallenen des lettischen Unabhängigkeitskrieges (1918–1920) und steht für:
- Einheit Lettlands
- nationale Souveränität
- Freiheitswillen des Volkes
8. Jugendstilviertel
Riga ist weltberühmt für seine Jugendstilarchitektur, besonders entlang der Alberta iela.


Jugendstil in Riga
Die lettische Hauptstadt Riga gilt als eine der bedeutendsten Jugendstil-Metropolen Europas. Rund ein Drittel aller Gebäude im Stadtzentrum stammen aus dieser Epoche (ca. 1890–1914). Besonders eindrucksvoll sind die Straßenzüge rund um die Alberta iela und Elizabetes iela. Hier nur einige Beispiele aus eigner Anschauung.

Ein besonders prägender Architekt war Michail Eisenstein, dessen Gebäude für ihre spektakulären und oft überladen wirkenden Fassaden bekannt sind. Heute gehört das historische Zentrum von Riga zum UNESCO-Weltkulturerbe – auch wegen dieser einzigartigen Jugendstil-Architektur; typische Merkmale sind:
- Reiche Fassadendekorationen mit Masken, Figuren und mythologischen Motiven
- Florale Ornamente und geschwungene Linien („organische Formen“)
- Symbolik und Fantasiefiguren, oft mit expressiver Wirkung
- Aufwendig gestaltete Treppenhäuser und Innenräume


Aufwendig dekoriertes Treppenhaus im Museum des Jugendstils in der Allberta – Straße und ein Foto aus dem Jugendstil – Shop.
Nach all den tollen Fasseden und dekorativen Einrichtungen stellte sich die Frage, woher stammt der Begriff Jugendstil. Laut Recherche stammt er aus Deutschland und geht auf die Münchner Kunstzeitschrift „Die Jugend“ zurück, die ab 1896 erschien. Diese Zeitschrift prägte den neuen Kunststil maßgeblich – daher der Name. International wird derselbe Stil unterschiedlich bezeichnet:
- Art Nouveau (Frankreich, Belgien)
- Sezessionsstil (Österreich, z. B. Gustav Klimt)
- Modern Style (England)
Der Jugendstil wollte sich bewusst von historischen Stilkopien lösen und etwas völlig Neues schaffen:
- Verbindung von Kunst und Handwerk
- Gestaltung des gesamten Lebensumfelds (Architektur, Möbel, Grafik)
- Orientierung an der Natur als Vorbild
9. Zentralmarkt Riga
Der Zentralmarkt Riga ist einer der größten Märkte Europas und befindet sich in den ehemaligen Zeppelin-Hallen am Pilsetas Kanal. Hier treffen wir kurz vor Ladenschluss ein und haben noch einen Blick ins Halleninnere. Es ist keine beeindruckende Markthalle wie wir sie schon in Valencia gesehen haben, sondern schlicht und funktional. Auf der ersten Ebene sind Lebensmittel und Obst und auf der zweiten Ebene Kleidung zu haben. Wir kaufen ein wenig Obst und beenden den ersten Besichtigungstag und fahren mit einem Taxi von Bolt zum Campingplatz zurück.

10. Rigaer Schloss


Die Bilder zeigen zwei Seiten des Schlosses von Riga; links die dem Fluß zugewandte Seite im renoviertem Gewand mit Turm und rechts die modern gestaltete, dem Park zugewandte Seite mit Sitz des Präsidenten Lettlands.