Von Kolberg geht es über eine fast gänzlich neugebaute Autobahn in ca. 4 Stunden nach Danzig, einem Ort mit vielfältiger und abwechslungsreicher Geschichte. Die heutige polnische Stadt Danzig blickt auf eine Geschichte mit häufig wechselnder Herrschaft zurück:
- Bis 1308 – Frühzeit & Piastenherrschaft:
Slawische Siedlung; Teil des frühpolnischen Reiches der Piasten. - 1308–1466 – Deutschordensstaat:
Eroberung durch den Deutscher Orden. Danzig entwickelt sich zu einer bedeutenden Handelsstadt im Ostseeraum. - 1466–1793 – Polen-Litauen (Königliches Preußen):
Nach dem Zweiten Frieden von Thorn gehört Danzig als weitgehend autonome Stadt zum Königreich Polen (später Polen-Litauen). Blütezeit durch Handel (Hanse). - 1793–1919 – Königreich Preußen / Deutsches Reich:
Im Zuge der Zweiten Teilung Polens wird Danzig preußisch, ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs. - 1807–1814 – (Zwischenphase) Freie Stadt unter Napoleon:
Kurzzeitig eigenständig unter französischem Einfluss. - 1919/1920–1939 – Freie Stadt Danzig:
Nach dem Ersten Weltkrieg entsteht unter dem Völkerbund die „Freie Stadt Danzig“ – formal unabhängig, wirtschaftlich eng mit Polen verbunden. - 1939–1945 – NS-Deutschland:
Annexion durch das Deutsche Reich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs (Angriff auf die Westerplatte). - Seit 1945 – Polen:
Nach Kriegsende kommt Danzig zu Polen; die deutsche Bevölkerung wird weitgehend vertrieben, und die Stadt wird neu aufgebaut.
Die historische Altstadt, der Hafen usw. waren fast vollständig zerstört, aber fast vollständig nach Vorlagen aus den wenig zerstörtem Stadtarchiv wieder aufgebaut. Weil sie jedoch im wesentlichen nur die Fassaden restauriert haben, wurden sie nicht in das UNESCO – Weltkulturerbe aufgenommen. Einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Danzig, die wir im Rahmen einer Stadtführung besichtigt haben:
1. Rechtstadt & Langer Markt
Die Rechtstadt bildet das historische Zentrum und entwickelte sich im Mittelalter zum wirtschaftlichen Herz der Stadt. Am Langen Markt residierten wohlhabende Kaufleute, deren prächtige Häuser den Reichtum der Hansezeit widerspiegeln. Hier fanden wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse statt. Bis heute ist es der zentrale Ort für Besucher und städtisches Leben.


2. Marienkirche
Sie wurde zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erbaut und zeugt vom Selbstbewusstsein der reichen Bürgerschaft. Sie ist ein herausragendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Im Inneren befinden sich bedeutende Kunstwerke, darunter eine astronomische Uhr. Der Turm diente auch als Aussichtspunkt und Symbol städtischer Macht.







Die Turmbesteigung mit 409 Stufen zum Blick über die Dächer von Danzig, war ein besonderes Erlebnis. Die Bilder zeigen einen Blick auf die vielfältige Dachgestaltung der Basilika sowie eine Sicht auf die fast vollständige restaurierte Speicherstadt auf der Insel zwischen der Weichsel und einem Verbindungskanal.
3. Krantor
Krantor ist das Wahrzeichen des alten Hafens und Symbol der Hansezeit. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert und war Teil der Stadtbefestigung sowie ein technisches Meisterwerk seiner Zeit. Mit ihm wurden schwere Waren und Schiffsmasten verladen. Es symbolisiert die Bedeutung Danzigs als wichtige Handelsmetropole der Hanse. Gleichzeitig diente es auch als Stadttor vom Hafen aus betrachtet.


4. Artushof
Er war seit dem 14. Jahrhundert Treffpunkt wohlhabender Kaufleute und Patrizier. Hier wurden Handelsgeschäfte abgeschlossen und politische Kontakte gepflegt. Der Name verweist auf die Artuslegende und symbolisierte ritterliche Ideale. Das Gebäude steht für den Reichtum und die internationale Vernetzung Danzigs

5. Westerplatte
Die Westerplatte wurde 1939 zum Schauplatz des ersten Gefechts des Zweiten Weltkriegs. Der Beschuss durch das deutsche Kriegsschiff markierte den Kriegsbeginn in Europa. Der polnische Widerstand dort wurde zu einem wichtigen nationalen Symbol. Heute erinnert ein Denkmal an die Ereignisse und die Opfer.



6. Europäisches Zentrum der Solidarność
Das Europäisches Zentrum der Solidarność erinnert an die Gewerkschaftsbewegung „Solidarność“, die hier in den 1980er Jahren entstand. Unter Führung von Lech Wałęsa wurde sie zu einer entscheidenden Kraft gegen das kommunistische Regime. Die Ereignisse in Danzig trugen wesentlich zum Zusammenbruch des Ostblocks bei. Das Museum zeigt diese Geschichte eindrucksvoll und modern.
7. Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist ein Symbol für Danzigs Verbindung zum Meer. Neptun, der römische Meeresgott, steht für den Wohlstand durch Handel und Seefahrt. Der Brunnen befand sich vor dem Artushof, dem Zentrum des Kaufmannslebens. Er gilt bis heute als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
Aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten und des Flair der Stadt haben wir unseren Aufenthalt auf 3 Tage verlängert. Wir campen auf dem Platz Stoggi 218, der stadtnah am Meer und Hafen liegt. Die Innenstadt ist über gut ausgebaute Radwege in ca. 7 km schnell zu erreichen.
8. Der Bahnhof


9. Das alte Postamt
Auch das alte Postamt wurde mit seiner phantastischen Glaskuppel im Jugenstil und dem sehr imposanten Steh-Schreibtischmöbel erhalten und ist noch heute in Betrieb.

10. Das historische Rathaus
Das historische Rathaus (Rechtstädtisches Rathaus) in Danzig entstand ursprünglich um 1300 als Hansekontor, also als Handels- und Verwaltungszentrum der wohlhabenden Kaufleute.
Im 14. Jahrhundert wurde es zu einem gotischen Rathaus ausgebaut; der markante Turm kam im 15. Jahrhundert (1486–1488) hinzu.

Nach einem großen Brand im Jahr 1556 erfolgte ein prachtvoller Umbau im Stil der Renaissance bzw. des Manierismus. Dabei erhielt der Turm seine berühmte Spitze mit der vergoldeten Statue von König Sigismund II. August.


Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer zerstört (zu etwa 80–90 %). Anschließend rekonstruierte man es bis 1970 originalgetreu.
Heute beherbergt das Rathaus das Stadtmuseum von Danzig und gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt.
Besonders berühmt ist der prunkvolle „Rote Saal“ mit kunstvollen Deckengemälden – ein Symbol für den Reichtum und die politische Bedeutung Danzigs in der Blütezeit.
Zusammenfassend bin sehr erstaunt, wie lebendig und gut restauriert wir die Stadt erleben, wenn man sich die Bilder der zerstörten Stadt nach dem 2. Weltkrieg in Erinnerung ruft. Allerdings ist die Stadt, trotz Vorsaison, bereits sehr gut besucht.