Auf der Weiterfahrt nach Lyck in Masuren besuchen wir die sehenswerte Marienburg. Sie liegt südöstlich von Danzig am Fluss Nogat und ist die größte Backsteinburg Europas. Ihre Geschichte ist eng mit dem Deutschen Orden verbunden. Ab 1270er Jahren ließ der Deutsche Orden die Burg als Ordensfestung errichten. Sie diente zunächst als Stützpunkt zur Sicherung der eroberten Gebiete in Preußen und zur Christianisierung der baltischen Region.

Der Name „Marienburg“ verweist auf die Schutzpatronin des Ordens, die Jungfrau Maria. 1309 verlegte der Hochmeister des Ordens seinen Sitz von Venedig in die Marienburg. Damit wurde sie zur Hauptstadt des Deutschordensstaates und zum politischen sowie militärischen Zentrum. Die Anlage wurde stetig erweitert (Hoch-, Mittel- und Vorburg) und war eine der modernsten Festungen Europas.

Die Marienburg spielte eine zentrale Rolle in den Konflikten mit Polen und Litauen, besonders nach der Schlacht bei Tannenberg. Trotz der Niederlage des Ordens blieb die Burg zunächst in dessen Besitz. 1457 musste der Orden die Marienburg im Verlauf des Dreizehnjährigen Krieges an den polnischen König verkaufen.

Danach wurde die Burg Sitz polnischer Statthalter im sogenannten Königlichen Preußen. Mit der Teilung Polens 1772 fiel sie an Preußen und verlor zunächst an Bedeutung, wurde später aber im 19. Jahrhundert romantisch restauriert.

Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, danach unter polnischer Verwaltung originalgetreu wiederaufgebaut. Heute ist sie ein bedeutendes Museum und UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Foto zeigt die bekannte Figurengruppe bedeutender Hochmeister des Deutschen Ordens vor der Ordensburg Marienburg:

  1. Hermann von Salza
    → Einer der bedeutendsten Hochmeister überhaupt; enger Berater von Kaiser und Papst, prägte die Expansion des Ordens.
  2. Siegfried von Feuchtwangen
    → Verlegte 1309 den Sitz des Ordens von Venedig auf die Marienburg  
  3. Winrich von Kniprode
    → Führte den Orden zu seiner größten Macht und Blütezeit  
  4. Albrecht von Brandenburg-Ansbach
    → Säkularisierte den Ordensstaat und wurde Herzog von Preußen.

Gründung des Deutschen Ordens und die Entstehung von Preußen

Der Deutschorden (auch: Deutscher Orden) wurde um 1190 während des Dritten Kreuzzugs in der Stadt Akkon gegründet. Ursprünglich entstand er als Hospitalbruderschaft, die sich um verwundete Pilger und Kreuzfahrer kümmerte.

Bereits 1198 wurde der Orden in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt – ähnlich den Templerorden und den Johanniterorden. Seine Mitglieder waren Mönche und Ritter zugleich und legten Gelübde wie Armut, Keuschheit und Gehorsam ab.

Nach dem Ende der Kreuzzüge verlagerte der Orden seinen Schwerpunkt nach Osteuropa. Besonders wichtig war die Einladung durch den polnischen Herzog Konrad von Masowien im Jahr 1226, um heidnische “Prußen“ zu missionieren. Der Orden gründete daraufhin den Ordensstaat Preußen, einen eigenen Staat an der Ostsee, mit der prächtigen Ordensburg Marienburg als Zentrum. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Deutsche Orden zu einer bedeutenden Macht im Ostseeraum – militärisch, politisch und wirtschaftlich.

Der Deutsche Orden hatte weitreichende Auswirkungen. Er spielte eine zentrale Rolle bei der gewaltsamen Christianisierung der heidnischen Völker im heutigen Polen, Litauen und Baltikum. Darüber hinaus war der Ordensstaat einer der ersten straff organisierten Territorialstaaten in Europa – mit Verwaltung, Städten und Handel. Der Orden gründete zahlreiche Städte und förderte den Handel, besonders im Umfeld der Hanse.

Später kam es zum Konflikt mit Polen-Litauen. Entscheidend war die Schlacht bei Tannenberg. Der Orden verlor zunehmend Macht und Einfluss und musste 1466 große Gebiete an Polen abtreten. 1525 wandelte der Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum um. Es entstand das Herzogtum Preußen – nun ein protestantischer Staat unter polnischer Lehnshoheit. Später verband sich dieses mit Brandenburg zu Brandenburg-Preußen. 1701 entstand schließlich das Königreich Preußen.


Der Orden besteht bis heute fort – allerdings als katholischer geistlicher Orden ohne militärische Funktion.

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