Wir verlassen Paatsalu am Nachmittag um die gebuchte Abendfähre zu bekommen. Wir sind schon 2 Stunden vor der gebuchten Zeit an der Fähre und können eine frühere Fähre nutzen. Nach ca. 30 Minunten Fährzeit sind bereits auf der Insel und weiteren 60 Minuten schon in Kuressaare auf unser Stellplatz angekommen, einem ruhigen Garten inmitten eines kleinen Wohngebietes am Rande der Stadt.

Kuressaare ist die Hauptstadt der Insel Saaremaa und war über Jahrhunderte unter dem deutschen Namen Arensburg bekannt. Die Stadtgeschichte ist eng mit der Burg verbunden, die als eine der besterhaltenen mittelalterlichen Festungen im Baltikum gilt und den Ort überhaupt erst entstehen ließ.

Die Siedlung entwickelte sich im Umfeld der Bischofsburg; der Grundstein der Anlage wurde im 14. Jahrhundert gelegt. 1559 kam Kuressaare unter dänische Herrschaft, erhielt 1563 Stadtrechte, wurde 1645 schwedisch und fiel nach dem Nordischen Krieg 1721 an das Russische Kaiserreich. Im 19. Jahrhundert wurde der Ort zu einem beliebten Kur- und Badeort, was sein Stadtbild bis heute prägt.

Der Name Arensburg bezeichnet die historische deutschsprachige Bezeichnung von Kuressaare und ist eng mit der Burg und der deutsch-baltischen Geschichte verbunden. Die Burg selbst begann als Holzburg und wurde über Jahrhunderte zu einer Stein- und später Festungsanlage ausgebaut; sie ist heute das wichtigste historische Wahrzeichen der Stadt. Der Name wird oft mit dem Wort „Aar“ beziehungsweise Adler erklärt, der als symbolischer Schutzengel des Bistums galt.

Für Kuressaare ist die Burg nicht nur Denkmal, sondern auch identitätsstiftendes Zentrum der Stadtgeschichte und Tourismusmagnet. Neben der Festung prägen Rathaus, historische Bürgerhäuser und der Kurpark das Bild einer Stadt, die von mittelalterlicher Machtgeschichte und späterer Kurortkultur lebt. Gerade diese Verbindung aus Wehrgeschichte und Heilbad-Tradition macht Kuressaare kulturell so bedeutend.

Auch wenn der Deutsche Orden im Baltikum eine bedeuteten Rolle spiele, war die Arensburg keine typische Deutschordensburg, aber ihre Entstehung und frühe Geschichte sind eng mit der Ordenszeit im Baltikum verbunden. Der Deutsche Orden war ein Mitakteur der Region, während Arensburg selbst vor allem als Bischofsresidenz und Festung Bedeutung bekam.

Wichtigstes Ereignis des Tages, das Abendspiel der deutschen Nationalmanschaft gegen die Elfenbeinküste, mit dem glücklichem Ergebnis von 2:1 in der Nachspielezeit.

Vor dem Spiel unternehmen wir noch eine kurze Fahrradtour durch den Ort, um erste Eindrücke zu gewinnen. Es sieht sehr vielversprechend aus. Plane schon mal eine längere Tour mit Burg, Windmühle und Einkehrmöglichkeiten für den Folgetag.

Wir planen hier 4 Tage zu bleiben, um die Mittsommernachtsfeierlichkeiten, die auf der Insel besonders intensiv sein sollen, zu erleben.

Ein Blick auf die gut restaurierte Arensburg mit ihrem Burggraben und Burgwall sowie ein Blick ins Innere mit dem Gewölbe im Essenssaal, dem Skelett eines eingemauerten Inquisitors, der anstatt dem katholischen Bischof im Kampf gegen die protestantischen Vasallen zu helfen sich in eine blonde „Maid“ verliebte. Daraufhin wurde die „Maid“ in ein Kloster verbannt und er in ein Burgverlies eingemauert.

Der Marktplatz von Kuressaare

Die Feierlichkeiten zur Mittsommernacht waren jedoch deutlich anders als wir es uns vorgestellt haben. Sie fanden auf einem freien Platz zwischen Burg und Badestrand statt und erinnern uns mehr an einen Rummelplatz mit kleinem Feuer, aber viel Musik (4 Bands am Abend), Fahrgeschäften und Essenständen. Traditionelle Trachten und Tänze waren nur vereinzelt zu sehen. Außerdem wurde ein Eintritt von 25 Euro verlangt, so dass wir uns die Szenerie nur kurz von außen betrachtet haben. Auf dem Marktplatz bzw. in der ganzen Stadt waren keine Feierlichkeiten zu erkennen.

Am letzten Tag des Aufenthalts auf Saaremaa unternehmen wir eine Inselrundfahrt und besuchen den Windmühle-Park in Angla mit einem Bauernmuseum sowie die Steilküste in Panga auf der gegenüberliegenden Inselseite, etwa 40 km entfernt.

Entlang der Steilküste nutzen wir auch den military hiking trail zu einer kleinen Wanderung, der ehemals von der sowjetische Armee angelegt wurden, als sie im 2. Weltkrieg die baltischen Staaten annektiert haben. Dort sollen angeblich bis zu 100 000 Soldaten die Seeseite gesichert haben.

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