Vilnius

Nach 2 Tagen in Lyck, mit schöner Fahrradtour um den See und vielen Ruhephasen, fahren wir weiter nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Litauen ist das größte der baltischen Länder und war historisch eine europäische Großmacht im Mittelalter. Es wurde stark geprägt durch Fremdherrschaft (Russland/Sowjetunion), ist jedoch heute ein modernes, pro-europäisches Land. Litauen und der deutsche Orden haben eine lange gemeinsame Geschichte.

Das Großfürstentum Litauen war der letzte große heidnische Staat Europas. Der deutsche Orden, als Christlicher Kreuzritterstaat, wollte das Baltikum missionieren und führte Kreuzzüge gegen Litauen. Litauen jedoch verteidigte seine Unabhängigkeit und Religion. Der Wendepunkt war die Schlacht bei Tannenberg 1410. Litauen und Polen besiegen den Orden entscheidet. Der Orden verliert seine Vormachtstellung.

In Vilnius angekommen, erleben wir eine quirlige, lebendige Stadt und nicht so „überlaufen“ wie Danzig mit herrlich restaurierten Bauwerke, kleine Gassen mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants. Wir sind überrascht, wie modern sich Vilnius präsentiert.

Sie zählt zu den ältesten und kulturell reichsten Städten Osteuropas. Ihre historische Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist besonders für ihre barocke Architektur bekannt.

Vilnius wurde erstmals im Jahr 1323 vom Großfürsten Gediminas urkundlich erwähnt. Unter seiner Herrschaft entwickelte sich die Stadt rasch zum politischen Zentrum des mächtigen Großfürstentums Litauen, das im Mittelalter eines der größten Reiche Europas war. Die Stadt war von Anfang an ein multikulturelles Zentrum, in dem Litauer, Polen, Deutsche, Juden und Ruthenen zusammenlebten.

Im 16. Jahrhundert erlebte Vilnius eine kulturelle Blüte:

  • Gründung der Universität Vilnius (1579)
  • Bedeutendes Zentrum von Bildung, Religion und Handel
  • Stark geprägt durch den Barockstil, weshalb Vilnius oft „Rom des Nordens“ genannt wird

Die Stadt war auch ein wichtiges Zentrum jüdischer Kultur und wurde als „Jerusalem des Nordens“ bezeichnet. Im Laufe der Geschichte wechselte Vilnius mehrfach die Zugehörigkeit, zuerst Teil der polnisch-litauischen Union, nach den Teilungen Polens unter russischer Herrschaft und im 20. Jahrhundert umkämpft zwischen Polen und Litauen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die jüdische Bevölkerung im Holocaust fast vollständig ausgelöscht.

Anschließend war Vilnius Teil der Sowjetunion, bis Litauen 1990 seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Heute ist Vilnius ein politisches und wirtschaftliches Zentrum Litauens, wichtiger Standort für Technologie und Start-ups sowie kulturelles Zentrum mit Festivals, Museen und lebendiger Kunstszene. Die Stadt verbindet auf einzigartige Weise mittelalterliche Geschichte und moderne Dynamik.

Mit Unterstützung eines Audioguides besichtigen wir die Sehenswürdigkeiten in Vilnius:

1. Kathedrale St. Stanislaus

Die Kathedrale St. Stanislaus ist das religiöse Zentrum Litauens. Sie wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut und präsentiert sich heute im klassizistischen Stil. In ihren Krypten ruhen bedeutende Persönlichkeiten des Großfürstentums Litauen.

2. Gediminas-Turm

Der Gediminas-Turm ist der letzte erhaltene Teil der Oberen Burg. Von hier hast du einen spektakulären Blick über die Altstadt. Er ist eng mit der Gründungslegende der Stadt verbunden.

3. Altstadt von Vilnius

Die Altstadt von Vilnius gehört zu den größten erhaltenen Altstädten Europas. Sie ist geprägt von barocken Kirchen, engen Gassen und historischen Bürgerhäusern. Seit 1994 zählt sie zum UNESCO-Welterbe.

Die Altstadt besticht mit ihren vielen kleinen Gassen und netten Lokalen und kleinen Geschäften.

4. Tor der Morgenröte

Das Tor der Morgenröte ist das einzige erhaltene Stadttor. Besonders bekannt ist die Kapelle mit einer wundertätigen Marienikone, die Pilger aus ganz Europa anzieht.

5. Kirche St. Anna

Die St.-Anna-Kirche ist ein Meisterwerk der Backsteingotik. Ihre filigrane Fassade zählt zu den schönsten in Europa. Der Legende nach wollte Napoleon sie nach Paris versetzen.

6. Universität Vilnius

Die Universität Vilnius wurde 1579 gegründet und ist eine der ältesten in Osteuropa. Besonders sehenswert sind die Innenhöfe und die barocke Architektur.

7. Republik Užupis

Die Republik Užupis ist ein kreatives Viertel mit eigener „Verfassung“. Es gilt als das „Montmartre von Vilnius“ und ist bekannt für Kunst, Humor und alternative Kultur.

Die Republik liegt zwischen 2 Flussläufen und soll inzwischen eines der teuersten Ecken in der Stadt sein, hat aber m. E. infrastrukturtechnisch einiges nachzuholen. Es unterhält „eigene Botschaften“ im Ausland; in Deutschland soll sie in Konstanz beheimatet sein.

8. Bastion

Die Bastion der Wehrmauer von Vilnius ist ein wichtiger Rest der einstigen Stadtbefestigung und zugleich ein Symbol für die militärische Geschichte der Stadt. Sie entstand im 16. Jahrhundert, wurde im Krieg mit Russland 1655–1661 stark beschädigt und später rekonstruiert; heute beherbergt sie ein Museum zur Verteidigungs- und Waffengeschichte Litauens.

Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, dass sie eines der wenigen erhaltenen Elemente der alten Stadtmauer ist und einen direkten Einblick in die frühneuzeitliche Wehrarchitektur bietet. Zusätzlich ist sie heute ein kultureller Ort mit Aussichtspunkt und Ausstellung, also sowohl historisch als auch touristisch wichtig.

Etk (in deutsch Lyck)

Heute ist der 31.5. Nach einem Zwischenaufenthalt in der Marienburg erreichen wir Lyck (der Name „Lyck“ stammt vermutlich vom altpreußischen Wort für „Teichrose“) nach ca. 3 Stunden Fahrt; Lyck ist eine Stadt im Nordosten Polens in der Region Masuren (Woiwodschaft Ermland-Masuren). Sie zählt heute rund 60.000 Einwohner und liegt malerisch am Lyck-See. Wir planen hier 2 Tage zu bleiben, nach dem anstrengenden Besuch der Marienburg.

Gegründet wurde die Stadt vom Deutschen Orden, erhielt 1425 Dorfprivileg, 1669 das Stadtrecht. Bis 1945 war Lyck Teil von Ostpreußen und ein regionales Zentrum. Bei einer Volksabstimmung 1920 entschied sich fast die gesamte Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland.  

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie Polen zugeschlagen; Vertreibung der deutschen Bevölkerung und Neubesiedlung durch Polen.  Die Region ist Teil der Masurischen Seenplatte – eine der schönsten Naturregionen Polens. In der Umgebung gibt es über 100 Seen, Wälder und Moränenlandschaften.

Der Ursprung der Stadtentwicklung liegt in den Ruinen der ehemaligen Deutschordensburg auf einer Insel im See. Besonderheit: Geburtsort des Schriftstellers Siegfried Lenz.

Etk ist die letze Station in Polen. Unsere Erfahrungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • gute Straßenverhältnisse (Autobahnen gut ausgebaut)
  • Campingplätze bedürfen der Modernisierung
  • In Kolberg und Danzig kamen wir mit Englisch sehr gut zu recht, in Etk war eine Verständigung in Englisch kaum möglich.

Marienburg

Auf der Weiterfahrt nach Lyck in Masuren besuchen wir die sehenswerte Marienburg. Sie liegt südöstlich von Danzig am Fluss Nogat und ist die größte Backsteinburg Europas. Ihre Geschichte ist eng mit dem Deutschen Orden verbunden. Ab 1270er Jahren ließ der Deutsche Orden die Burg als Ordensfestung errichten. Sie diente zunächst als Stützpunkt zur Sicherung der eroberten Gebiete in Preußen und zur Christianisierung der baltischen Region.

Der Name „Marienburg“ verweist auf die Schutzpatronin des Ordens, die Jungfrau Maria. 1309 verlegte der Hochmeister des Ordens seinen Sitz von Venedig in die Marienburg. Damit wurde sie zur Hauptstadt des Deutschordensstaates und zum politischen sowie militärischen Zentrum. Die Anlage wurde stetig erweitert (Hoch-, Mittel- und Vorburg) und war eine der modernsten Festungen Europas.

Die Marienburg spielte eine zentrale Rolle in den Konflikten mit Polen und Litauen, besonders nach der Schlacht bei Tannenberg. Trotz der Niederlage des Ordens blieb die Burg zunächst in dessen Besitz. 1457 musste der Orden die Marienburg im Verlauf des Dreizehnjährigen Krieges an den polnischen König verkaufen.

Danach wurde die Burg Sitz polnischer Statthalter im sogenannten Königlichen Preußen. Mit der Teilung Polens 1772 fiel sie an Preußen und verlor zunächst an Bedeutung, wurde später aber im 19. Jahrhundert romantisch restauriert.

Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, danach unter polnischer Verwaltung originalgetreu wiederaufgebaut. Heute ist sie ein bedeutendes Museum und UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Foto zeigt die bekannte Figurengruppe bedeutender Hochmeister des Deutschen Ordens vor der Ordensburg Marienburg:

  1. Hermann von Salza
    → Einer der bedeutendsten Hochmeister überhaupt; enger Berater von Kaiser und Papst, prägte die Expansion des Ordens.
  2. Siegfried von Feuchtwangen
    → Verlegte 1309 den Sitz des Ordens von Venedig auf die Marienburg  
  3. Winrich von Kniprode
    → Führte den Orden zu seiner größten Macht und Blütezeit  
  4. Albrecht von Brandenburg-Ansbach
    → Säkularisierte den Ordensstaat und wurde Herzog von Preußen.

Gründung des Deutschen Ordens und die Entstehung von Preußen

Der Deutschorden (auch: Deutscher Orden) wurde um 1190 während des Dritten Kreuzzugs in der Stadt Akkon gegründet. Ursprünglich entstand er als Hospitalbruderschaft, die sich um verwundete Pilger und Kreuzfahrer kümmerte.

Bereits 1198 wurde der Orden in einen geistlichen Ritterorden umgewandelt – ähnlich den Templerorden und den Johanniterorden. Seine Mitglieder waren Mönche und Ritter zugleich und legten Gelübde wie Armut, Keuschheit und Gehorsam ab.

Nach dem Ende der Kreuzzüge verlagerte der Orden seinen Schwerpunkt nach Osteuropa. Besonders wichtig war die Einladung durch den polnischen Herzog Konrad von Masowien im Jahr 1226, um heidnische “Prußen“ zu missionieren. Der Orden gründete daraufhin den Ordensstaat Preußen, einen eigenen Staat an der Ostsee, mit der prächtigen Ordensburg Marienburg als Zentrum. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Deutsche Orden zu einer bedeutenden Macht im Ostseeraum – militärisch, politisch und wirtschaftlich.

Der Deutsche Orden hatte weitreichende Auswirkungen. Er spielte eine zentrale Rolle bei der gewaltsamen Christianisierung der heidnischen Völker im heutigen Polen, Litauen und Baltikum. Darüber hinaus war der Ordensstaat einer der ersten straff organisierten Territorialstaaten in Europa – mit Verwaltung, Städten und Handel. Der Orden gründete zahlreiche Städte und förderte den Handel, besonders im Umfeld der Hanse.

Später kam es zum Konflikt mit Polen-Litauen. Entscheidend war die Schlacht bei Tannenberg. Der Orden verlor zunehmend Macht und Einfluss und musste 1466 große Gebiete an Polen abtreten. 1525 wandelte der Hochmeister Albrecht von Brandenburg-Ansbach den Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum um. Es entstand das Herzogtum Preußen – nun ein protestantischer Staat unter polnischer Lehnshoheit. Später verband sich dieses mit Brandenburg zu Brandenburg-Preußen. 1701 entstand schließlich das Königreich Preußen.


Der Orden besteht bis heute fort – allerdings als katholischer geistlicher Orden ohne militärische Funktion.

Danzig

Von Kolberg geht es über eine fast gänzlich neugebaute Autobahn in ca. 4 Stunden nach Danzig, einem Ort mit vielfältiger und abwechslungsreicher Geschichte. Die heutige polnische Stadt Danzig blickt auf eine Geschichte mit häufig wechselnder Herrschaft zurück:

  • Bis 1308 – Frühzeit & Piastenherrschaft:
    Slawische Siedlung; Teil des frühpolnischen Reiches der Piasten.
  • 1308–1466 – Deutschordensstaat:
    Eroberung durch den Deutscher Orden. Danzig entwickelt sich zu einer bedeutenden Handelsstadt im Ostseeraum.
  • 1466–1793 – Polen-Litauen (Königliches Preußen):
    Nach dem Zweiten Frieden von Thorn gehört Danzig als weitgehend autonome Stadt zum Königreich Polen (später Polen-Litauen). Blütezeit durch Handel (Hanse).
  • 1793–1919 – Königreich Preußen / Deutsches Reich:
    Im Zuge der Zweiten Teilung Polens wird Danzig preußisch, ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs.
  • 1807–1814 – (Zwischenphase) Freie Stadt unter Napoleon:
    Kurzzeitig eigenständig unter französischem Einfluss.
  • 1919/1920–1939 – Freie Stadt Danzig:
    Nach dem Ersten Weltkrieg entsteht unter dem Völkerbund die „Freie Stadt Danzig“ – formal unabhängig, wirtschaftlich eng mit Polen verbunden.
  • 1939–1945 – NS-Deutschland:
    Annexion durch das Deutsche Reich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs (Angriff auf die Westerplatte).
  • Seit 1945 – Polen:
    Nach Kriegsende kommt Danzig zu Polen; die deutsche Bevölkerung wird weitgehend vertrieben, und die Stadt wird neu aufgebaut.

Die historische Altstadt, der Hafen usw. waren fast vollständig zerstört, aber fast vollständig nach Vorlagen aus den wenig zerstörtem Stadtarchiv wieder aufgebaut. Weil sie jedoch im wesentlichen nur die Fassaden restauriert haben, wurden sie nicht in das UNESCO – Weltkulturerbe aufgenommen. Einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Danzig, die wir im Rahmen einer Stadtführung besichtigt haben:

1. Rechtstadt & Langer Markt

Die Rechtstadt bildet das historische Zentrum und entwickelte sich im Mittelalter zum wirtschaftlichen Herz der Stadt. Am Langen Markt residierten wohlhabende Kaufleute, deren prächtige Häuser den Reichtum der Hansezeit widerspiegeln. Hier fanden wichtige politische und gesellschaftliche Ereignisse statt. Bis heute ist es der zentrale Ort für Besucher und städtisches Leben.

2. Marienkirche

Sie wurde zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert erbaut und zeugt vom Selbstbewusstsein der reichen Bürgerschaft. Sie ist ein herausragendes Beispiel norddeutscher Backsteingotik. Im Inneren befinden sich bedeutende Kunstwerke, darunter eine astronomische Uhr. Der Turm diente auch als Aussichtspunkt und Symbol städtischer Macht.

Die Turmbesteigung mit 409 Stufen zum Blick über die Dächer von Danzig, war ein besonderes Erlebnis. Die Bilder zeigen einen Blick auf die vielfältige Dachgestaltung der Basilika sowie eine Sicht auf die fast vollständige restaurierte Speicherstadt auf der Insel zwischen der Weichsel und einem Verbindungskanal.

3. Krantor

Krantor ist das Wahrzeichen des alten Hafens und Symbol der Hansezeit. Er stammt aus dem 15. Jahrhundert und war Teil der Stadtbefestigung sowie ein technisches Meisterwerk seiner Zeit. Mit ihm wurden schwere Waren und Schiffsmasten verladen. Es symbolisiert die Bedeutung Danzigs als wichtige Handelsmetropole der Hanse. Gleichzeitig diente es auch als Stadttor vom Hafen aus betrachtet.

4. Artushof

Er war seit dem 14. Jahrhundert Treffpunkt wohlhabender Kaufleute und Patrizier. Hier wurden Handelsgeschäfte abgeschlossen und politische Kontakte gepflegt. Der Name verweist auf die Artuslegende und symbolisierte ritterliche Ideale. Das Gebäude steht für den Reichtum und die internationale Vernetzung Danzigs

5. Westerplatte

Die Westerplatte wurde 1939 zum Schauplatz des ersten Gefechts des Zweiten Weltkriegs. Der Beschuss durch das deutsche Kriegsschiff markierte den Kriegsbeginn in Europa. Der polnische Widerstand dort wurde zu einem wichtigen nationalen Symbol. Heute erinnert ein Denkmal an die Ereignisse und die Opfer.

Ein neue gestaltetes Mahnmal zur Erinnerung an die 18 gefallen polnischen Soldaten, die beim ersten Angriff der deutschen Soldaten am 1. Sept. 1339 ums Leben kamen.

6. Europäisches Zentrum der Solidarność

Das Europäisches Zentrum der Solidarność erinnert an die Gewerkschaftsbewegung „Solidarność“, die hier in den 1980er Jahren entstand. Unter Führung von Lech Wałęsa wurde sie zu einer entscheidenden Kraft gegen das kommunistische Regime. Die Ereignisse in Danzig trugen wesentlich zum Zusammenbruch des Ostblocks bei. Das Museum zeigt diese Geschichte eindrucksvoll und modern.

7. Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen wurde im 17. Jahrhundert errichtet und ist ein Symbol für Danzigs Verbindung zum Meer. Neptun, der römische Meeresgott, steht für den Wohlstand durch Handel und Seefahrt. Der Brunnen befand sich vor dem Artushof, dem Zentrum des Kaufmannslebens. Er gilt bis heute als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.

Aufgrund der vielen Sehenswürdigkeiten und des Flair der Stadt haben wir unseren Aufenthalt auf 3 Tage verlängert. Wir campen auf dem Platz Stoggi 218, der stadtnah am Meer und Hafen liegt. Die Innenstadt ist über gut ausgebaute Radwege in ca. 7 km schnell zu erreichen.

8. Der Bahnhof

9. Das alte Postamt

Auch das alte Postamt wurde mit seiner phantastischen Glaskuppel im Jugenstil und dem sehr imposanten Steh-Schreibtischmöbel erhalten und ist noch heute in Betrieb.

10. Das historische Rathaus

Das historische Rathaus (Rechtstädtisches Rathaus) in Danzig entstand ursprünglich um 1300 als Hansekontor, also als Handels- und Verwaltungszentrum der wohlhabenden Kaufleute.  

Im 14. Jahrhundert wurde es zu einem gotischen Rathaus ausgebaut; der markante Turm kam im 15. Jahrhundert (1486–1488) hinzu.  

Die tolle, mit Schnitzereien verzierte, Wendeltreppe im Eingangsbereich

Nach einem großen Brand im Jahr 1556 erfolgte ein prachtvoller Umbau im Stil der Renaissance bzw. des Manierismus. Dabei erhielt der Turm seine berühmte Spitze mit der vergoldeten Statue von König Sigismund II. August.  

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer zerstört (zu etwa 80–90 %). Anschließend rekonstruierte man es bis 1970 originalgetreu.  

Heute beherbergt das Rathaus das Stadtmuseum von Danzig und gilt als eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt.  

Besonders berühmt ist der prunkvolle „Rote Saal“ mit kunstvollen Deckengemälden – ein Symbol für den Reichtum und die politische Bedeutung Danzigs in der Blütezeit.

Zusammenfassend bin sehr erstaunt, wie lebendig und gut restauriert wir die Stadt erleben, wenn man sich die Bilder der zerstörten Stadt nach dem 2. Weltkrieg in Erinnerung ruft. Allerdings ist die Stadt, trotz Vorsaison, bereits sehr gut besucht.

Kolberg an der Ostsee

Ankunft in Kolberg am 26.5. Wir planen für 2 Tage, um die Stadt anzuschauen und den Strand zu genießen.

Kolberg ist viel mehr als nur Strand – es ist eine Mischung aus Ostsee, Geschichte, Kurort & entspannter Promenade.

Kolberg gehört zu den ältesten Orten an der Ostsee und entstand im frühen Mittelalter als slawische Siedlung.
Im 13. Jahrhundert erhielt die Stadt das Stadtrecht und entwickelte sich als Mitglied der Hanse zu einem wichtigen Handels- und Hafenplatz.

Ab dem 17. Jahrhundert wurde Kolberg zu einer preußischen Festung ausgebaut und spielte besonders während der Napoleonischen Kriege eine bedeutende Rolle.
Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Stadt zu einem beliebten Seebad.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kolberg 1945 stark zerstört (Schlacht um Kolberg). Danach kam die Stadt zu Polen, wurde wiederaufgebaut und ist heute ein bekanntes Kur- und Urlaubszentrum an der Ostsee.

1. Strand & Seebrücke (Molo)

  • Der breite Sandstrand ist mehrere Kilometer lang – perfekt zum Spazieren & Baden  
  • Die Seebrücke (220 m lang) führt direkt ins Meer und ist besonders abends schön  
  • Tipp: Sonnenuntergang + Spaziergang auf der Promenade

2. Leuchtturm & Hafen

  • DAS Wahrzeichen der Stadt
  • Aussichtspunkt mit Blick über Ostsee & Hafen  
  • Direkt daneben: lebendiger Hafen mit Fischrestaurants

3. Dom (Marienbasilika)

  • Gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert
  • Eines der wichtigsten Bauwerke der Stadt  
  • Turm besteigen für Panorama über Stadt & Meer

4. Altstadt & Rathaus

  • Neugotisches Rathaus im Zentrum  
  • Kleine Cafés & schöne Plätze
  • Perfekt zum Bummeln

5. Kurpark & Promenade

  • Ruhige grüne Oasen direkt am Meer
  • Typisch für den Kurort-Charakter der Stadt
  • Ideal für Spaziergänge oder Fahrrad

6. Festung & Geschichte

  • Reste der alten Festung & Pulverturm
  • Spannend: Museum der polnischen Waffen
  • Kolberg hat eine lange Militärgeschichte  

7. Natur & Umgebung

  • Ekopark Wschodni: Natur pur
  • Hortulus-Gärten: tolle Gartenanlagen
  • Sehr gute Fahrradwege entlang der Küste

Potsdam und Umgebung

Wir haben geplant, 5 Tage zu bleiben und mit unseren Freunden T&T, ortskundige Fremdenführer, die Umgebung zu erkunden. Umfangreiche Radtouren sind geplant.

Potsdam wurde erstmals 993 als „Poztupimi“ urkundlich erwähnt und entwickelte sich später zu einer bedeutenden Residenzstadt der brandenburgisch-preußischen Herrscher. Die Geschichte von Potsdam im 17. bis 20. Jahrhundert wurde maßgeblich von den preußischen Herrschern aus dem Haus Hohenzollern geprägt. Besonders wichtig sind folgende Persönlichkeiten:

Der Große Kurfürst –Friedrich Wilhelm (1620–1688)

Er legte den Grundstein für Potsdams Aufstieg:

  • Ausbau Potsdams nach dem Dreißigjährigen Krieg
  • Förderung von Einwanderung (z. B. durch das Edikt von Potsdam 1685)
  • Beginn der wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklung

Soldatenkönig – Friedrich Wilhelm I. (1688–1740)

Er machte Potsdam zur Militärstadt:

  • Ausbau zur Garnisonsstadt
  • Errichtung der Garnisonkirche
  • Förderung von Disziplin, Verwaltung und Militärwesen

Friedrich der Große – Friedrich II. von Preußen (1712–1786)

Er prägte Potsdam kulturell und architektonisch:

  • Bau von Schloss Sanssouci als Sommerresidenz
  • Förderung von Kunst, Philosophie und Aufklärung
  • Ausbau Potsdams zur Residenzstadt mit prachtvollen Bauten

Friedrich Wilhelm IV. – (1795–1861)

Er gestaltete das romantische Potsdam des 19. Jahrhunderts:

  • Ausbau der Parklandschaften (z. B. Babelsberg)
  • Förderung von Architektur im romantischen Stil
  • Enge Zusammenarbeit mit Künstlern und Architekten

Das Ende des Kaiserreichs und die Weimarer Zeit

  • Nach dem Ende des Kaiserreichs 1918 verlor Potsdam seine Funktion als königliche Residenzstadt
  • Viele Schlösser wurden museal genutzt oder dienten staatlichen Zwecken

Zweiter Weltkrieg und die Potsdamer Konferenz

  • Potsdam wurde im Zweiter Weltkrieg teilweise zerstört
  • 1945 fand im Schloss Cecilienhof die Potsdamer Konferenz statt
  • Führende Politiker wie Harry S. Truman, Winston Churchill und Josef Stalin entschieden über die Nachkriegsordnung Europas

DDR-Zeit (1949–1990)

  • Potsdam wurde Teil der Deutsche Demokratische Republik
  • Starker Wiederaufbau im sozialistischen Stil (Plattenbauten, neue Stadtstrukturen)
  • Historische Gebäude wurden teilweise vernachlässigt oder abgerissen
  • Die Glienicker Brücke wurde zum Symbol des Kalten Krieges („Agentenbrücke“)

Wende und Neubeginn (ab 1989)

  • Friedliche Revolution und Ende der DDR
  • Beginn umfassender Restaurierungen der historischen Innenstadt
  • Rückkehr zur Bedeutung als Kultur- und Wissenschaftsstandort
  • 1990 wurde Potsdam zur Hauptstadt des Landes Brandenburg

Heute ist Potsdam vor allem für Sanssouci, seine historischen Schlösser und die Verbindung von Kultur, Politik und Wissenschaft bekannt.

Die erste Radtour führt uns in die Innenstadt von Potsdam mit umfangreicher Führung und Erklärung der Sehenswürdigkeiten der Innenstadt, Nikolaikirche, Brandenburger Landtag, Filmmuseum, um nur einige zu nennen und dann weiter über die Freundschaftsinsel durch die Berliner Vorstadt, mit dm Blick auf das Schloß Babelsberg, zur historisch bedeutsamen Glienicker Brücke (bekannt als sogenannte Agentenbrücke zum Austausch zwischen Ost und West). Von dort entlang des Jungfernsees zur Ermitrage, durch den Neuen Garten am Schloß Cecilienhof vorbei zur Meierei (Kaffepause). Weiter gehts an der Villa Jacob vorbei zum fantastisch restauriertem Schloß Belvedere. Hier haben T&T zu ihrer Potsdamer Zeit an den Vorbereitungsarbeiten zur Restaurierung mit gewirkt.

Weiter gehts durch die russische Kolonie Alexandrowka, durchs holländische Viertel zum Nauener Tor, dann zum sogenannten Brandenburger Tor in Potsdam und zurück zum Ausgangspunkt.

Russische Kolonie Alexandrowka (Potsdam)

Die Kolonie Alexandrowka in Potsdam entstand 1826–1827 auf Anordnung von König Friedrich Wilhelm III. als Denkmal für seinen verstorbenen Freund, den russischen Zaren Alexander I.  

Ausgangspunkt waren russische Soldaten, die 1812 als Kriegsgefangene nach Potsdam kamen. Aus ihnen wurde ein Chor gebildet, der am preußischen Hof sang. Nach dem Tod des Zaren ließ der König für die verbliebenen Sänger eine eigene Siedlung errichten.  

Die Kolonie besteht aus 12 Bauernhöfen und einem Aufseherhaus, gebaut im russischen Stil mit Holzhäusern und großen Gärten. Die Anlage wurde vom Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné entworfen und in Form eines Andreaskreuzes angelegt – ein Symbol Russlands.  

Die Bewohner erhielten Häuser, Land und sogar Nutztiere, durften ihre Grundstücke aber nicht verkaufen. Ziel war es, ihnen eine neue Heimat zu geben und gleichzeitig die preußisch-russische Freundschaft zu würdigen.  

Heute ist Alexandrowka ein UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als einzigartiges Beispiel eines künstlich angelegten „russischen Dorfes“ in Mitteleuropa.  

Holländisches Viertel (Potsdam)

Das Holländische Viertel in Potsdam wurde zwischen 1733 und 1742 unter König Friedrich Wilhelm I. („Soldatenkönig“) erbaut. Ziel war es, holländische Handwerker und Fachkräfte nach Potsdam zu holen, um die Stadt wirtschaftlich zu stärken.  

Die Siedlung umfasst 134 Backsteinhäuser in vier Karrees, entworfen vom niederländischen Baumeister Jan Bouman. Die Architektur mit roten Ziegeln, weißen Fugen und geschwungenen Giebeln orientiert sich bewusst am niederländischen Stil.  

Trotz großzügiger Privilegien zog jedoch nur ein Teil der gewünschten niederländischen Handwerker ein; bald lebten dort auch andere Bevölkerungsgruppen.  

Im 19. Jahrhundert wurde das Viertel eher ein einfaches Wohngebiet, später verfiel es teilweise. Erst nach 1990 wurde es umfassend saniert und zu einem beliebten Wohn- und Ausgehviertel entwickelt.  

Das Radwegenetz ist hier sehr gut ausgebaut und wir nutzen i.w. den Havelradweg oder die Radwege direkt entlang der vielen Seen.

Die zweite Radtour beginnt mit einem Begrüßungsdrink zum Hochzeitstag von T&T und der Besichtigung der Fischerkapelle in Ferch (Hochzeit und Silberhochzeit), dann durch Caputh zum dortigem Einsteinhaus und zum Schloß Sanssouci, dem ehemaligen Residenzschloß in Potsdam.

Schloss Sanssouci

Das Schloss Sanssouci wurde zwischen 1745 und 1747 unter Friedrich II. von Preußen als Sommerresidenz erbaut.
Der Name bedeutet „ohne Sorge“ und spiegelt die Idee eines privaten Rückzugsortes fern vom höfischen Prunk wider.
Das Gebäude ist ein Meisterwerk des Rokoko und liegt malerisch oberhalb terrassenförmig angelegter Weinberge im Park Sanssouci in Potsdam.
Es diente dem König vor allem für persönliche Aufenthalte, philosophische Gespräche und Musik.
Heute gehört Sanssouci zum UNESCO-Welterbe und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

Die dritte Tour (55 km) führt uns wieder über den Havelradweg nach Potsdam entlang der Freundschaftsinsel, durch den Babelsberpark, über den Hirschberg zum Wannsee. Dann entlang dem Wannsee mit Kaffeepause in Moorlage zur Glienicker Brücke; dort treffen wir erneut T&T und fahren zum Schloß Belverdere zur Besichtigung mit herrlichem Blick über die Potsdamer Umgebung.

Blick vom Brandenburger Landtag (restauriertes ehemaliges Potsdamer Stadtschloß) auf die Nikolaikirche

Die Nikolaikirche am Alten Markt hat eine bewegte Bau- und Wiederaufbaugeschichte:

  • Eine erste Kirche brannte 1795 ab.  
  • Der heutige Bau entstand ab 1828 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im klassizistischen Stil und wurde 1850 geweiht.  
  • Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer zerstört: Kuppel, Innenraum und Portikus stürzten ein.  
  • Der Wiederaufbau erfolgte schrittweise in der DDR:
    • 1950er–60er Jahre Wiederherstellung von Kuppel und Fassade
    • 1981 erneute Weihe der Kirche  

Heute ist sie eines der wichtigsten Wahrzeichen Potsdams und prägt mit ihrer großen Kuppel das Stadtbild.

Gegenüber am Alten Markt tagt der Landtag Brandenburgs im vollständig wiederaufgebautem ehemaligen Potsdamer Stadtschlosses (die Fassade wurde vollständig wieder aufgebaut, innen sehr modern)

  • Ursprünglich befand sich hier seit dem Mittelalter eine Burg, später das Residenzschloss der preußischen Könige (17.–18. Jh.).  
  • Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1960 in der DDR gesprengt.  
  • Nach 1990 entstand die Idee, die historische Mitte Potsdams wiederherzustellen.  
  • 2005 beschloss man, an dieser Stelle ein neues Parlamentsgebäude zu errichten – mit historischer Schlossfassade.  
  • Bauzeit: 2011–2013, seitdem Sitz des Landtags.  
  • Die äußere Gestaltung ist eine Rekonstruktion des barocken Stadtschlosses, während das Innere modern ist.  

Der Bau verbindet heute preußische Geschichte und moderne Demokratie – ein symbolischer Mittelpunkt der „neuen alten“ Potsdamer Mitte.

Die Anreise nach Potsdam

Aufgrund der verspäteten Abreise haben wir kurzentschlossen unterwegs entschieden, die Anreise zu unterbrechen, die Schwiegereltern unseres Sohnes in Braunschweig besucht und dort einen netten Abend und ein ausgiebiges Frühstück genossen.

Am nächsten Tag erreichten wir dann unseren sehr ursprünglichen Campingplatz (etwas in die Jahre gekommen, aber sauber und sehr freundliche Betreiber) in Löcknitz, mit Blick auf den Schwielosee. Am späten Nachmittag haben wir dann unsere erste Fahrradtour nach Werder unternommen, eine kleine Stadt an der Havel mit interessanter Historie.

Werder (Havel) ist eine Stadt im Havelland westlich von Berlin. Der Name „Werder“ stammt aus dem Altslawischen und bedeutet „Insel“ oder „Land im Wasser“.
Im Jahr 1317 wurde Werder erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich zunächst als Fischerdorf.
Durch seine Lage an der Havel gewann der Ort früh an Bedeutung für Handel und Transport.
Im Laufe der Jahrhunderte prägten Obstbau und Landwirtschaft das wirtschaftliche Leben der Region.
Besonders bekannt wurde Werder durch den intensiven Anbau von Kirschen, Äpfeln und anderen Früchten.
Ein wichtiger kultureller Höhepunkt ist das Baumblütenfest, eines der größten Volksfeste in Brandenburg.
Die historische Altstadt liegt malerisch auf einer Insel und ist durch Brücken mit dem Festland verbunden. Heute verbindet die Stadt ihre lange Tradition im Obstbau mit Tourismus, Kultur und moderner Lebensqualität.

… der „moderne“ Poet

Holpriger Start

Beim Test des Wassersystems im Camper zeigte sich eine Undichtigkeit im Unterflur des Campers. Das vermeintliche Leck am Wasserboiler erwies sich als Fehldiagnose. Der try&error – Ansatz führte dazu, dass der Fehler in einem undichten Entlüftungsventil lag. Da kurzfristig kein Ersatz vorhanden war, löste unser sehr hilfsbereiter Techniker J.- O. das Problem mit zwei Stopfen und Rohrschellen. So konnte die Reise mit einigen Unsicherheiten doch noch am 20.5. beginnen, aber mit einigen Stunden Verspätung.

Nach oben scrollen